Putin feuert Zircon auf Kiew – Drohne 1,5 km vor Polen, Treffer 300 m neben der deutschen Botschaft

Vertrautheit erzeugt Verachtung, sagt man – und nach vier Jahren Krieg droht Europa eine andere Gefahr. Vertrautheit erzeugt Gleichgültigkeit. Wieder ein Tag, wieder eine russische Angriffswelle, wieder eine Bedrohung direkt vor Europas Haustür. So hat es angefangen. In Kiew stürzte eine russische Drohne in die Nationale Akademie der Wissenschaften – ein Gebäude, das nicht für Soldaten steht, sondern für Wissenschaftler, Forscher und Akademiker.
Und das war nicht die einzige Infrastruktur, die getroffen wurde. Der Angriff auf Kiew fiel in eine neue russische Großoffensive aus der Luft. Nach ukrainischen Angaben schickte Russland in der Nacht vom achtundzwanzigsten auf den neunundzwanzigsten September hundertzweiundfünfzig Drohnen und drei schwere Raketen. Darunter eine Zircon- beziehungsweise Oniks-Antischiffsrakete und zwei ballistische Raketen vom Typ Iskander-M oder S-400. Die ukrainische Luftabwehr meldet, sie habe hundertneun Ziele zerstört oder gestört – alle drei Raketen und hundertsechs Drohnen.
Doch hundertneun Abschüsse bedeuten nicht, dass hundertneun Bedrohungen verschwunden sind. Einige kamen durch. Und der Schaden zog sich durch mehrere Städte. In Dnipro traf eine Drohne ein Bürogebäude – drei Tote, neunzehn Verletzte, neunundvierzig Menschen mussten gerettet werden. In Charkiw wurden Wohngebiete getroffen.

Auch in Sumy, Riwne, Odessa und Schytomyr wurden Gebäude beschädigt. In Kiew traf es die Nationale Akademie der Wissenschaften – und die Symbolik ist kaum zu übersehen. Die Akademie erklärte, der Angriff habe Menschen getroffen, die einfach nur bei der Arbeit waren. Und nannte ihn einen Angriff auf die ukrainische Wissenschaft, Bildung und Kultur. Auch eine medizinische Einrichtung in der Hauptstadt wurde getroffen.
Selenskyj am Abend: Bis zu diesem Moment seien neun Menschen in verschiedenen Regionen des Landes getötet worden. Sein Beileid gelte den Familien. Mehr als achtzig Menschen seien verletzt. In Kiew habe eine jetgetriebene Shahed-Drohne das Gebäude der Akademie getroffen und einen Brand ausgelöst. Nach einer Person werde noch unter den Trümmern gesucht.
Und dann ist da die Waffe selbst: die Zircon. Man kann sie sich als Rakete vorstellen, die um eine einzige simple Idee herum gebaut wurde – Geschwindigkeit. Die Zircon ist ein russischer Hyperschall-Marschflugkörper, ausgelegt für mehr als Mach fünf, also die fünffache Schallgeschwindigkeit. Russland gibt die Reichweite mit rund tausend Kilometern oder mehr an, je nach Flugprofil. Entwickelt wurde sie in erster Linie als Waffe gegen Schiffe.
Doch Moskau setzt sie auch gegen Landziele ein – oder behauptet zumindest, das zu können. Und genau das macht sie zu einem solchen Problem für jede Luftabwehr. Man sucht nicht einfach eine Rakete – man sucht etwas, das sich mit extremer Geschwindigkeit bewegt und dabei manövrieren kann. Wenn man sie sieht, läuft die Uhr bereits ab. Dann sind da die Iskander.

Die Iskander ist ein ballistisches Kurzstreckensystem.
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Gebaut, um Bodenziele mit hoher Geschwindigkeit zu treffen. Und Russland mischt diese teuren Präzisionswaffen mit etwas viel Billigerem: Drohnen. Sehr, sehr vielen Drohnen. Shaheds, Gerberas, Parodija-Attrappen und die neueren jetgetriebenen Systeme – allein in dieser Nacht waren zweiundachtzig der Drohnen jetgetrieben.
Das ist deshalb so wichtig, weil es nicht nur darum geht, ein Ziel zu zerstören. Es geht darum, die Abwehr zu überlasten. Schick genug Objekte in den Himmel. Echte Waffen, Attrappen, schnelle Drohnen, ballistische Raketen. Und du zwingst den Verteidiger, in Sekundenbruchteilen zu entscheiden: Was schießen, was stören, was durchlassen?

So weit die Ukraine. Was Europa beunruhigt, ist das, was jenseits dieses Schlachtfelds passiert. Russlands hybrider Krieg. Während Russland die Ukraine bombardierte, stürzte eine jetgetriebene Geran-5-Drohne nur anderthalb Kilometer vom Grenzübergang Jahodyn zwischen der Ukraine und Polen entfernt ab. Eine der jetgetriebenen Drohnen hatte die Grenze zu Polen erreicht.
Die Abfangquote bei Drohnen lag an diesem Tag laut Selenskyj bei siebzig Prozent. Das gilt für normale und für jetgetriebene Shaheds zusammen – bei den jetgetriebenen ist sie leider niedriger. Leider deutlich niedriger als nötig. Derzeit bei siebenundfünfzig Prozent. Und Jahodyn ist kein zufälliges Stück Land.
Es ist einer der meistbefahrenen Übergänge zwischen der Ukraine und Polen. Und es ist nicht einmal der erste Vorfall dieser Art. Am siebzehnten September stürzte nahe Jahodyn eine jetgetriebene Drohne wenige Kilometer vor der polnischen Grenze ab. Polen und seine Verbündeten ließen Kampfjets aufsteigen, die Flughäfen Rzeszów und Lublin stellten den Betrieb vorübergehend ein. Schon am dreizehnten September traf eine Drohne im Gebiet Wolhynien einen Zug, nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt.
Schau dir also die Karte an. Kiew, Dnipro, Charkiw – und dann die polnische Grenze. Der Krieg wird noch immer in der Ukraine geführt, doch seine Druckwellen breiten sich nach außen aus. Und genau hier kommt der Begriff hybride Kriegsführung ins Spiel. Denn europäische Regierungen sagen, Russlands Konfrontation mit dem Westen beschränke sich längst nicht mehr auf Raketen und Truppen.
Sie umfasse Cyberangriffe, Sabotage, Desinformation, elektronische Störungen, Angriffe auf kritische Infrastruktur – Operationen, die Chaos anrichten, ohne die Schwelle zum offenen Krieg mit der NATO zu überschreiten. Die EU berät deshalb über ein Notfall-Sicherheitsprotokoll, das den Mitgliedstaaten helfen soll, ihre Antworten auf solche Bedrohungen zu koordinieren. Am achtundzwanzigsten September tagten dazu die Verteidigungsminister in Brüssel. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, die europäischen Geheimdienste sähen, dass Russland weitere Sabotageakte plane. Und hier liegt die Schwierigkeit.
Ein Raketenangriff ist leicht zu verstehen. Eine Rakete fliegt heran, die Luftabwehr versucht, sie zu stoppen. Aber was tust du, wenn die Bedrohung ein Cyberangriff ist? Ein lahmgelegtes Stromnetz, eine sabotierte Bahnstrecke, eine Drohne, die kurz vor deiner Grenze abstürzt – eine Kampagne, die Panik erzeugen soll, ohne dass ein Schuss auf dein Territorium fällt. Das ist die Grauzone.
Wladimir Putin hat unterdessen per Dekret die Sollstärke der russischen Streitkräfte auf zwei Komma vier vier Millionen erhöht, darunter eins Komma fünf fünf Millionen Soldaten – die vierte Erhöhung in diesem Jahr. Mit anderen Worten: Während der Luftkrieg eskaliert, vergrößert Russland auch die Maschine dahinter. Und die Ukraine geht in einen weiteren Winter mit einer Luftabwehr unter Dauerdruck. Europa aber steht vor einer unbequemen Frage. Eine Grenze ist ein Strich auf der Karte – doch im Krieg: Wie nah ist zu nah?
An der Front meldet Moskau derweil einen Erfolg: Putins Truppen hätten ukrainische Soldaten bei Charkiw eingekesselt und einen verzweifelten Ausbruchsversuch vereitelt. Und während sich das Schlachtfeld verengt, prasseln russische Drohnen und Raketen tief im ukrainischen Hinterland nieder. Die jüngsten Kämpfe konzentrieren sich nach russischer Darstellung auf Nefedowka im Gebiet Charkiw. Russische Kräfte behaupten, ukrainische Soldaten hätten versucht, sich mit gepanzerten Fahrzeugen und einem Panzer freizukämpfen. Der Ausbruch sei gescheitert.
Die Gruppe sei mit kombiniertem Feuer getroffen und vernichtet worden – so Moskau; Kiew hat das nicht bestätigt, und das Institute for the Study of War nennt die russischen Kesselmeldungen dieser Wochen unbelegt, Teil einer Kampagne, um Kiew unter Druck zu setzen. Dann kam die nächste Welle aus der Luft. Russische Drohnen und Raketen zielten auf Städte in der gesamten Ukraine. In Kiew hallten die Explosionen bis in den frühen Dienstag. Getroffen wurde unter anderem das Lokomotivdepot am Hauptbahnhof Kiew-Passaschyrskyj.
Nach Angaben der Luftwaffe gab es Einschläge an vierundzwanzig Orten, an sechzehn weiteren gingen Trümmer nieder. Tankstellen, Kommunikationsanlagen und andere zivile Einrichtungen wurden in mehreren Regionen beschädigt. Die Angriffe töteten und verletzten Zivilisten, so die ukrainischen Behörden. Moskau dagegen sagt, es habe militärische und strategische Infrastruktur angegriffen. Russland behauptet, auch zwei Rechenzentren in Kiew zerstört zu haben, die mit dem ukrainischen Militär und der Regierung verbunden seien.
Das eine, so Moskau, sei einer der wichtigsten Internet-Knotenpunkte des Landes und übertrage auch Aufklärungsdaten für die Streitkräfte. Das andere werde von Regierung und Wirtschaft genutzt – auch vom Militär. Das Verteidigungsministerium spricht zudem von getroffenen Munitionslagern. Unter den angeblichen Zielen in Kiew: ein Lokomotivdepot, eine Anlage im Zusammenhang mit der Flamingo-Rakete FP-5 und eine Produktionsstätte für Flugzeugdrohnen. Auch ein Umspannwerk und Hafenanlagen in Odessa, eine Drohnenwerkstatt und zwei Frachtschiffe mit Militärgütern will Russland getroffen haben.
Keine dieser militärischen Zielangaben ließ sich unabhängig überprüfen. Für die Ukraine heißt das: Der Krieg frisst sich tiefer in ihre Städte. Präsident Selenskyj verurteilte die Angriffe rund um die Uhr. Moskau versuche zudem, seinen Pool an Kämpfern zu vergrößern – auch durch Anwerbung im Ausland. Die andauernde Drohnenkampagne solle den Widerstand der Ukraine zermürben und ihre Wirtschaft treffen.
Mehr als hundertzwanzig Drohnen seien allein an diesem Tag gestartet worden, neunzig davon jetgetrieben. Einige hätten leider ihre Ziele getroffen, es gebe Opfer. Und in Moskau wurde am selben Tag ein Dekret unterschrieben, das die Armee um weitere fünfzehntausendfünfhundert Stellen vergrößert. Das ist die Antwort des Kreml auf eine Woche der Diplomatie. Mehr Soldaten, mehr Drohnen, mehr Ziele.
Die jüngste Eskalation folgt auf eine Woche diplomatischer Bemühungen bei den Vereinten Nationen – doch am Boden hat sich der Kampf nur verschärft. Und dieser Kontrast ist nicht zu übersehen. In Moskau verweist Putin auf eine andere Art von Momentum. Die Parlamentswahl hat seiner Partei Geeintes Russland dreihundertneunundvierzig von vierhundertfünfzig Sitzen in der Staatsduma gebracht – sechsundvierzig der neuen Abgeordneten sind Kriegsteilnehmer. Putin präsentiert das Ergebnis als Bestätigung für seine Regierung und ihren Kurs.
Doch während der Kreml feiert, läuft der Krieg in die Gegenrichtung: mehr Angriffe, mehr Ziele, kein Ende in Sicht. Der Kreml nennt auch einen Grund für die Eskalation: Die Ukraine zahle jetzt den Preis für ihre Angriffe auf Russland. Während der dreitägigen Wahl habe Kiew Hunderte Drohnen auf die Hauptstadt geschickt – laut russischem Verteidigungsministerium wurden allein in der Nacht zum zwanzigsten September mehr als neunzehnhundert abgefangen. Russland nannte es den größten Drohnenangriff auf Moskau überhaupt: Schäden an einer Ölraffinerie und an einem Wohnhaus, mindestens drei Tote. Die nationalen Interessen Russlands seien allgemein bekannt, ließ der Kreml wissen.
Man müsse die eigene Sicherheit garantieren. Und sicherstellen, dass niemand es mehr wage, Pläne für einen „vernichtenden Schlag gegen Russland binnen vierzig Tagen" zu verkünden – so habe man es aus Kiew gehört. Europa beobachtet die Eskalation genau. Nach dem Treffen der EU-Verteidigungsminister in Brüssel sagte Kaja Kallas, Luftabwehr bleibe die wichtigste Priorität der Ukraine – „die Ukraine ist Europas Frontlinie". Sie stellte sich zudem hinter den neuen Notfallmechanismus gegen russische hybride Bedrohungen.
Die EU, so heißt es, bereite sich auf weitere Sabotage und andere Aktionen unterhalb der Schwelle des offenen Krieges vor. „Wir sehen in den Geheimdienstinformationen, dass Russland weitere Sabotageakte plant – Angriffe auf unsere Demokratie, um unsere Gesellschaften zu spalten und davon abzuschrecken, der Ukraine zu helfen." Das habe Moskau vor, und darauf müsse Europa sich einstellen. Und Putin hat seine eigene Warnung für Europa. Er weist zurück, dass Russland einen Angriff auf Europa vorbereite – doch Moskau werde weiter für die Rechte der russischsprachigen Menschen im Baltikum kämpfen, im Rahmen des Völkerrechts, wie er sagt.
„Ich möchte noch einmal betonen: Wir bereiten keinerlei militärische Handlungen gegen Europa vor." „Wir haben keine solchen Pläne und, das ist das Wichtigste, keinen Grund dafür." „Es gibt kein reales Motiv, die Lage mit Europa eskalieren zu lassen." Egal, wer was sagt – auch im Baltikum. Mehr Angriffe, mehr Warnungen, mehr Druck.
Während das Schlachtfeld heißer wird, kommt die Diplomatie kaum hinterher. Und einen klaren Weg zum Frieden gibt es vorerst nicht. Und jetzt zu dem Teil, der in den deutschen Nachrichten nur eine Randnotiz war. Das Gebäude der Akademie der Wissenschaften, in das die jetgetriebene Drohne einschlug, steht rund dreihundert Meter von der deutschen Botschaft entfernt. Dreihundert Meter – das ist die Länge von drei Fußballfeldern.
Das Auswärtige Amt reagierte mit einer Erklärung: Russland nehme erneut zivile Opfer und Verletzte in Kauf – „auch in unmittelbarer Nähe unserer Botschaft". Und weiter: „Wir unterstützen die Ukraine weiter." Das war die ganze Antwort. Um zu verstehen, wie wenig Gewicht dieser Satz in Moskau hat, muss man zwei Tage zurückgehen. Am sechsundzwanzigsten September traf Außenminister Johann Wadephul in New York, am Rande der UN-Generaldebatte, seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow.
Es war das erste Treffen auf dieser Ebene seit Kriegsbeginn 2022. Es dauerte zwanzig Minuten. Und es kam, wie die russische Seite genüsslich betonte, auf Bitten Berlins zustande – „in letzter Minute", so Lawrow. Wadephul forderte Moskau auf, den „gefährlichen Weg der Eskalation" gegenüber Deutschland, Europa und der NATO zu verlassen. Er sprach den Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle Anfang August an, für den die Bundesregierung Russland verantwortlich macht.
Solche Vorfälle änderten nichts an der deutschen Unterstützung für die Ukraine, beschädigten aber das ohnehin zerrüttete Verhältnis weiter. Lawrows Antwort danach vor der Presse: Wer sich Berlins tägliche öffentliche Erklärungen ansehe, der habe hier „nichts Neues gehört". Zwanzig Minuten, kein Ergebnis, öffentlicher Spott. Und achtundvierzig Stunden später schlägt eine russische Drohne dreihundert Meter neben der deutschen Botschaft ein. Niemand kann sagen, ob das Zufall war – aber in der Grauzone, von der Kallas spricht, zählt nicht die Absicht, sondern die Wirkung.
Polen hat aus denselben Nächten seine Konsequenz gezogen: Warschau kündigt an, die Einsatzregeln zu ändern – Piloten sollen künftig allein auf Radardaten feuern dürfen, ohne das Ziel mit eigenen Augen zu sehen. Berlin bittet um Gespräche und erhält Hohn. Das ist der Unterschied zwischen einem Land, das seine Grenze verteidigt, und einem Land, das um einen Termin bittet. Und hier schließt sich der Kreis zu Putins Dekret. Zwei Komma vier vier Millionen Mann Sollstärke – die vierte Erhöhung in einem Jahr – während Europa noch darüber berät, wie ein Notfallprotokoll aussehen soll.
Und noch etwas passt nicht in Moskaus Bild von der Woche. Während das Verteidigungsministerium in Nefedowka einen vernichteten Kessel meldet, veröffentlichte das ukrainische Dritte Armeekorps die Details der dritten Phase seiner „Operation Vivaldi" nördlich von Lyman. Nach eigenen Angaben täuschte es die russischen Kräfte und befreite fünf Ortschaften – Nowe, Ridkodub, Katerynivka, Karpiwka und Nowomychajliwka. Das Institute for the Study of War berichtet, dass genau dieser Vorstoß in russischen Militärblogs eine Debatte über die „Kultur der Lüge" in der eigenen Armee ausgelöst hat. Mit anderen Worten: Die Kesselmeldungen, die das Fernsehen in Moskau feiert, glauben nicht einmal alle Russen.
Und das gilt auch für die Wahl. Die Moscow Times nennt sie die unkompetitivste Duma-Wahl der modernen russischen Geschichte – bei einer Beteiligung von knapp sechzig Prozent. Moskaus Bürgermeister Sobjanin wiederum erklärte den ukrainischen Drohnenangriff am Wahltag zu einem Plan, „die Wahlen zu stören". So wird aus jedem Angriff ein Argument – und aus jedem Argument ein neues Dekret. Putins Erlass zur Truppenstärke nennt übrigens keinen Grund für die Erhöhung.
Er muss auch keinen nennen. Auf der anderen Seite steht ein Europa, dessen eigener Bericht zur Verteidigungsbereitschaft zwar deutlich gestiegene Investitionen verzeichnet – aber, in Kallas' Worten, weiterhin „große Fähigkeitslücken". Ein Notfallprotokoll gegen Sabotage ist eine Antwort auf die Grauzone. Auf Hyperschallraketen, die in wenigen Minuten von der Krim aus Kiew erreichen, ist es keine. Und Berlin?
Berlin hat in dieser Woche eine Erklärung abgegeben, ein Gespräch erbeten und zwanzig Minuten bekommen. Zum Vergleich: Polen hat in denselben Tagen seine Grenzinfrastruktur verstärkt und zusätzliche Einheiten an die Grenze verlegt. Nicht, weil Warschau den Krieg sucht – sondern weil es aufgehört hat, so zu tun, als ginge es Polen nichts an. Genau diese Illusion leistet sich Berlin weiter. Und die Rechnung dafür wird nicht in New York bezahlt, sondern an der Grenze – und am Ende in Deutschland.
Fassen wir zusammen. Eine Hyperschallrakete auf Kiew, hundertzweiundfünfzig Drohnen in einer Nacht, ein Einschlag dreihundert Meter neben der deutschen Vertretung. Eine Drohne anderthalb Kilometer vor der NATO-Grenze, gesperrte Flughäfen in Polen, neue Einsatzregeln in Warschau. Ein russischer Außenminister, der über den deutschen spottet – und ein Kreml, der die Armee vergrößert, während er beteuert, keinen Krieg mit Europa zu wollen. Die Frage ist nicht, ob Russland Europa angreift.
Die Frage ist, wie lange Berlin noch so tut, als wären zwanzig Minuten in New York eine Außenpolitik. Was denkst du – hat Polen recht, oder überzieht Warschau? Schreib es uns in die Kommentare und abonniere den Kanal, damit du die nächste Entwicklung nicht verpasst. Das war FR Report.
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