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Wie der Iran Trump zu Putin getrieben hat … Amerikas eigene Sanktionen sind jetzt ausgesetzt

Von Frum Report DE

Trump braucht Putin. Am Freitag hat sich der amerikanische Präsident öffentlich beim russischen Präsidenten bedankt – für Diesel. Und der Grund dafür liegt nicht in Moskau und nicht in Washington, sondern in einer Meerenge, die der Iran seit dem Frühjahr verengt. Einen Monat zuvor hatte derselbe Trump noch ein umfassendes Sanktionsgesetz gegen Russland unterschrieben. Jetzt erlaubt seine eigene Regierung russischen Diesel in amerikanischen Häfen. Was Putin dafür bekommen hat, hat bis heute niemand gesagt. Nicht das Weiße Haus. Nicht der Kreml.

In diesem Video gehen wir diesen Freitag Stunde für Stunde durch. Wir sehen uns an, was Trump versprochen hat und was Putin tatsächlich gesagt hat, denn das ist nicht dasselbe. Wir sehen uns an, wie der Iran Amerika in diese Lage gebracht hat. Und wir sehen uns an, was in der Nacht danach in Südrussland geschah, denn dort hat jemand auf diesen Handel geantwortet, mit Drohnen.

Beginnen wir mit dem Freitag. Es ist der neunte Oktober. In Miami sitzt an diesem Tag eine ukrainische Delegation mit zwei Männern zusammen, die für Donald Trump verhandeln: Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn des Präsidenten. Es geht um einen Vorschlag, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Die Ukrainer sind dafür eigens angereist. Stunden zuvor hat ihr Präsident in Kiew noch amerikanische Senatoren empfangen.

Zur selben Zeit telefoniert Donald Trump mit Wladimir Putin. Und kurz danach schreibt er auf seiner eigenen Plattform einen Satz, mit dem in Miami niemand gerechnet hat. Russland werde sofort mehr als dreihunderttausend Tonnen Diesel liefern. Im November weitere fünfhunderttausend Tonnen. Unmittelbar danach eine Million Tonnen. Und dann, innerhalb kurzer Zeit, noch einmal drei Millionen Tonnen, je nachdem, in welchem Zustand die russischen Raffinerien sind. Dazu schreibt Trump: Niedrigere Preise für die Amerikaner, vor allem für unsere großartigen Farmer, Viehzüchter und Lastwagenfahrer, sind meine größte Priorität.

Später tritt er vor die Kameras. Und dort fällt der Satz, um den es heute geht. Ich möchte Präsident Putin danken, sagt Trump. Es komme jetzt eine gewaltige Menge Öl ins Land, und es sei Diesel. Kein Wort zu den Sanktionen. Kein Wort zum Krieg in der Ukraine. Und noch etwas sagt er an diesem Tag, fast beiläufig: Er habe Präsident Selenskyj gebeten, die Dieselanlagen in Russland nicht mehr anzugreifen. Merken Sie sich diesen Satz. Wir kommen darauf zurück, denn er hat keine vierundzwanzig Stunden gehalten.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass er so etwas verkündet. Mitte September hatte Trump erklärt, Selenskyj und Putin hätten sich darauf geeinigt, Energieanlagen nicht mehr anzugreifen. Selenskyj widersprach damals sofort. Er werde Öl- und Gasziele nur dann verschonen, wenn Russland dasselbe zusage. Eine solche Zusage aus Moskau gab es nie.

Jetzt zur anderen Seite der Leitung. Was hat Putin gesagt? Der Kreml veröffentlicht eine eigene Erklärung, und sie liest sich ganz anders. Man habe den Aussichten auf eine Lösung der ukrainischen Krise große Aufmerksamkeit gewidmet. Man habe über den Iran gesprochen. Und Russland habe seine Bereitschaft bestätigt, Öl und Ölprodukte auf den amerikanischen und den weltweiten Markt zu liefern. Er sei überzeugt, so Putin, dass sich das positiv auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken werde.

Bereitschaft. Das ist das Wort. Keine Tonnen. Kein Datum. Kein November. Die Zahlen, die an diesem Freitag um die Welt gehen, stammen alle aus einer einzigen Quelle, und diese Quelle ist Donald Trump. Putins außenpolitischer Berater wird gefragt, ob Washington Zugeständnisse gemacht hat und was Russland versprochen wurde. Er antwortet darauf nicht. Nur der stellvertretende Ministerpräsident, der in Moskau für Energie zuständig ist, wird etwas deutlicher. Russland beginne sofort damit, die Beschränkungen für Dieselausfuhren vorzeitig aufzuheben, sagt er einer staatlichen Agentur. Lieferungen in die Vereinigten Staaten könnten noch in diesem Monat beginnen. Könnten.

Dabei hatte Moskau seinen Preis lange vorher genannt, ganz offen. Ende September erklärte der Sprecher des Kremls, die Länder, die Sanktionen verhängt haben, müssten die Einfuhr von russischem Diesel wieder erlauben. Erst dann könne Russland sein Ausfuhrverbot aufheben. Genau das ist an diesem Freitag geschehen. Washington erlaubt die Einfuhr, und Moskau öffnet die Ausfuhr. Man kann es auch nüchterner sagen: Der Kreml hat eine Bedingung gestellt, und der amerikanische Präsident hat sie erfüllt.

Auf der einen Seite steht also ein Präsident, der Zahlen nennt und sich bedankt. Auf der anderen Seite steht ein Präsident, der Bereitschaft erklärt und sich nicht festlegt. Wer von beiden hat hier wohl die stärkere Hand? Behalten Sie die Frage im Kopf. Denn es fehlt noch das dritte Stück dieses Freitags, und es ist das einzige, das wirklich auf Papier steht.

Noch am selben Tag stellt das amerikanische Finanzministerium eine Lizenz aus. Sie erlaubt den Verkauf, die Lieferung, das Entladen und die Einfuhr von Diesel russischer Herkunft, ausdrücklich auch die Einfuhr in die Vereinigten Staaten. Und sie gilt bis zum siebten April des kommenden Jahres. Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine im Februar zweitausendzweiundzwanzig hat Washington solche Ausnahmen immer nur für dreißig Tage gewährt. Diese hier läuft ein halbes Jahr. Seit zweitausendzweiundzwanzig haben die Vereinigten Staaten kein russisches Öl mehr eingeführt. Jetzt ist es wieder erlaubt. Zwar gab es in diesem Jahr schon mehrere Ausnahmen für russisches Öl, das bereits auf Tankern unterwegs war. Sie liefen jedes Mal nach einem Monat aus, und am Preis änderten sie wenig.

Und nun der Teil, der diesen Freitag so bemerkenswert macht. Erst im September hat Donald Trump ein Sanktionsgesetz gegen Russland unterschrieben. Der Kongress hatte es mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Es sieht Zölle von bis zu hundert Prozent gegen die fünf größten Käufer von russischem Öl und Gas vor. Die Botschaft an die Welt lautete: Wer russische Energie kauft, zahlt dafür einen Preis. Vier Wochen später kauft Amerika selbst.

Wie kommt ein Präsident in eine solche Lage? Die Antwort führt weg von Moskau und weg von Kiew. Sie führt an den Persischen Golf. Seit dem Frühjahr verengt der Iran die Straße von Hormus. Was das für Tanker und Versicherer bedeutet, haben wir auf diesem Kanal ausführlich gezeigt. Heute zählt nur die Folge. Diesel ist der Kraftstoff, der am empfindlichsten reagiert, weil ein großer Teil der weltweiten Ausfuhr aus genau zwei Gegenden kam: vom Golf und aus Russland. Und Diesel ist nicht irgendein Kraftstoff. Er treibt Lastwagen an, Traktoren, Schiffe und Lokomotiven. Wenn Benzin teuer wird, ärgern sich die Autofahrer. Wenn Diesel teuer wird, wird alles teurer, was transportiert werden muss, also fast alles.

Beide sind in diesem Jahr ausgefallen. Vom Golf fehlten nach einer Berechnung zwischen März und August im Schnitt rund siebenhundertsiebzigtausend Fass Diesel am Tag. Aus Russland fehlten im selben Zeitraum etwa dreihundertfünfzigtausend. Denn Moskau hat die Ausfuhr von Diesel im Juli verboten, nachdem ukrainische Drohnen eine Raffinerie nach der anderen getroffen hatten. Nach den Zahlen der Internationalen Energieagentur ist die russische Dieselproduktion um etwa dreißig Prozent gefallen. Im ersten Halbjahr wurde im Schnitt alle drei Tage eine russische Raffinerie getroffen.

Das Ergebnis steht an jeder amerikanischen Zapfsäule. Seit Beginn des Iran-Krieges im Februar ist Diesel dort um fast siebzig Prozent teurer geworden. Am zweiundzwanzigsten September lag der Durchschnitt bei sechs Dollar zweiundfünfzig für die Gallone, so hoch wie noch nie. Heute sind es sechs Dollar achtundzwanzig. Und in weniger als einem Monat wird in den Vereinigten Staaten gewählt. Ein Präsident, der mit dem Versprechen billiger Energie angetreten ist, geht mit dem teuersten Diesel der amerikanischen Geschichte in diese Wahl.

Hier schließt sich der Kreis. Der Iran hat keine einzige Rakete auf Washington abgefeuert. Er hat eine Meerenge enger gemacht. Und ein halbes Jahr später ruft der amerikanische Präsident in Moskau an und bedankt sich für Treibstoff. Wenn Sie solche Zusammenhänge sehen wollen, die in den großen Sendungen oft in zwei Sätzen verschwinden, dann abonnieren Sie diesen Kanal, es kostet nichts und hilft uns sehr.

Zurück nach Miami. Erinnern Sie sich an die ukrainische Delegation, die dort am Verhandlungstisch saß? Sie erfährt von dem Handel so wie alle anderen: aus einem Beitrag im Netz. Nach den Worten des ukrainischen Präsidenten war von Diesel in den Gesprächen zuvor keine Rede gewesen. Wolodymyr Selenskyj reagiert noch am selben Abend, und er wählt seine Worte nicht vorsichtig. Es sei eine schwache Entscheidung, sagt er, leider eine schwache Entscheidung starker Partner. Sie spiele Russland in die Hände. Sie erlaube Moskau, mehr zu töten und länger Krieg zu führen. Die Erlaubnis, russische Ölprodukte zu verkaufen, sei eine Investition in einen Krieg, den man beenden und nicht verlängern müsse. Russland werde dieses Geschäft mit weiterem Terror und weiterer Hinterlist vergelten.

Und dann sagt er einen Satz über die eigenen Leute in Miami. Ich glaube, unser Team wird schlicht als Nebelwand benutzt. Man muss sich klarmachen, was das heißt. Der Präsident eines Landes, das von amerikanischer Hilfe abhängt, wirft dem amerikanischen Präsidenten öffentlich vor, die Friedensgespräche seien nur Kulisse gewesen, während im Hintergrund das eigentliche Geschäft lief. Trump wird nach dieser Kritik gefragt. Er beantwortet die Frage nicht.

Und jetzt kommen wir zu dem Satz, den Sie sich merken sollten. Trump hatte gesagt, er habe Selenskyj gebeten, die russischen Dieselanlagen nicht mehr anzugreifen. Die Antwort darauf kommt nicht in einer Rede. Sie kommt in der Nacht.

Wenige Stunden nach der Ankündigung aus Washington brennt im Süden Russlands, im Gebiet Rostow, ein Verladeterminal für Ölprodukte. Es gehört zu der Raffinerie von Nowoschachtinsk. Ein unabhängiges russisches Medium ordnet die Aufnahmen diesem Terminal zu. Die russischen Behörden melden, man habe in der Nacht über der Region mehr als hundert Drohnen abgeschossen. Zu dem Feuer am Terminal sagen sie nichts.

Ein hochrangiger ukrainischer Regierungsvertreter sagt es einer britischen Wirtschaftszeitung dafür umso deutlicher: Wir werden die Raffinerien verbrennen. Kiew werde seine Angriffe fortsetzen, Handel hin oder her. Selenskyj hatte schon im September gesagt, unter welcher Bedingung er damit aufhören würde: wenn Russland seine eigenen Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung einstellt. Diese Bedingung ist bis heute nicht erfüllt. Aus ukrainischer Sicht ist das folgerichtig. Jede Tonne Diesel, die Russland verkauft, bezahlt Granaten, die auf ukrainische Städte fallen. Und der Kreml hat seine Angriffe auf diese Städte und auf die Stromversorgung in diesem Sommer und Herbst noch verstärkt.

Damit steht hinter Trumps Zahlen ein großes Fragezeichen. Dieselbe Zeitung berichtet, dass die russischen Raffinerien derzeit nur mit etwa sechzig Prozent ihrer Leistung arbeiten. Fachleute bezweifeln, dass Moskau die versprochenen Mengen überhaupt liefern kann. Putin selbst hatte vor dem Telefonat gesagt, sein Land habe genug Diesel, er gelange nur wegen der Verbote und Sanktionen nicht auf den Weltmarkt. Aber dreihunderttausend Tonnen sofort und Millionen danach, aus Anlagen, die Woche für Woche brennen? Trump hat seine Zusage an eine Bedingung geknüpft, die nicht er kontrolliert und nicht Putin. Sondern die Ukraine.

Wie reagiert er darauf? Nach einem Bericht eines amerikanischen Nachrichtenmagazins hat Trump am Samstag erklärt, die Ukraine brauche eine neue Führung. Selenskyj habe Gelegenheiten zum Frieden wiederholt ausgeschlagen und seine Warnung vor Angriffen auf russische Ölanlagen missachtet. Dann hat sich an einem einzigen Wochenende etwas verschoben: Der amerikanische Präsident dankt dem Angreifer und wendet sich gegen den Angegriffenen. Wegen Diesel.

Und Europa? In Brüssel fällt die Reaktion ungewöhnlich scharf aus. Die Außenbeauftragte der Europäischen Union sagt, die Aussetzung der Sanktionen verschaffe Moskau mehr Einnahmen, um Krieg zu führen. Es sei nicht die Zeit, den Druck auf Russland zu lockern, und Europa werde es nicht tun. Die Außenminister bereiten nach ihren Worten ein neues Paket vor, das mehr Personen und Organisationen treffen soll als jede Runde zuvor. Auch Großbritannien will seine letzte Ausnahme für Diesel aus russischem Rohöl zum Jahreswechsel auslaufen lassen. Europa zieht die Schraube an, während Amerika sie lockert. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums antwortet mit einem Sprichwort: Der Fisch stinke vom Kopf her.

In Berlin lässt der Bundeskanzler erklären, die Bundesregierung halte an den Sanktionsbeschlüssen fest und arbeite mit den europäischen Partnern an weiteren. Das Wirtschaftsministerium teilt mit, Deutschland beziehe seit zweitausenddreiundzwanzig kein russisches Öl und keine russischen Ölprodukte mehr und stehe uneingeschränkt zu den Sanktionspaketen. Das ist eine klare Haltung. Aber sie hat eine unbequeme Folge. Wenn Amerika russischen Diesel kauft und Europa nicht, dann bleibt Europa der Teil des Westens, der für seine Grundsätze an der Zapfsäule bezahlt, während der wichtigste Verbündete sich eine Ausnahme genehmigt. Auch bei uns hat Diesel in diesem Jahr Rekorde gebrochen.

Auch in Washington ist die Empörung groß. Drei führende demokratische Senatoren sprechen von einem Verrat an der Ukraine, an den europäischen Verbündeten und an der eigenen Sicherheit. Genug ist genug, schreiben sie. Und dann folgt ein Satz, der den ganzen Vorgang auf den Punkt bringt: Der Präsident müsse seinen Krieg mit dem Iran beenden, statt Russlands Kriegsmaschine zu finanzieren. Ein Senator, der das Sanktionsgesetz selbst mit eingebracht hat, sagt, die Entscheidung mache Amerika zum Komplizen in Putins Krieg. Auch aus Trumps eigener Partei kommen Warnungen. Was denken Sie: Ist das ein kluger Handel für billigeren Sprit, oder hat Putin hier ohne einen einzigen Schuss gewonnen? Schreiben Sie es uns in die Kommentare.

Bleibt die Frage, mit der wir begonnen haben. Wer gewinnt bei diesem Geschäft? Beginnen wir mit den amerikanischen Autofahrern, denn um sie soll es ja gehen. Ein Energiefachmann einer großen Washingtoner Denkfabrik wurde gefragt, wie stark die Preise jetzt sinken werden. Seine Antwort: wahrscheinlich nicht sehr. Ein zweiter Fachmann nennt das Ganze ein Umstellen der Liegestühle auf der Titanic. Sein Argument ist einfach. Wenn Russland Diesel nach Amerika verkauft, fehlt er den bisherigen Kunden. Die kaufen dann woanders, und der Preis bleibt ungefähr dort, wo er ist. Die Diesel-Notierungen sind am Freitag um vier Prozent gefallen. Seit Jahresbeginn liegen sie immer noch mehr als hundertzehn Prozent im Plus.

Man kann das selbst nachrechnen. Dreihunderttausend Tonnen Diesel sind gut zwei Millionen Fass. Die Vereinigten Staaten verbrauchen nach den Zahlen ihrer eigenen Energiebehörde mehr als dreieinhalb Millionen Fass solcher Kraftstoffe am Tag. Die Menge, die sofort kommen soll, reicht also für etwas mehr als einen halben Tag. Und selbst wenn Russland alles liefert, was Trump aufgezählt hat, fast fünf Millionen Tonnen, dann sind das keine zehn Tage amerikanischen Verbrauchs. Dafür hat der Präsident ein halbes Jahr Sanktionen ausgesetzt.

Für Trump ist der Gewinn also klein und unsicher. Und für Putin? Derselbe Fachmann nennt das Geschäft einen großen Vorteil für Russland und für Putin. Man kann das in drei Punkten fassen. Erstens: Geld. Jede Tonne, die zu diesen Preisen verkauft wird, füllt eine Kasse, aus der ein Krieg bezahlt wird. Für Moskau kommt das zur rechten Zeit. Die Produktion ist um fast ein Drittel gefallen, aber was noch produziert wird, bringt jetzt Preise wie nie zuvor. Zweitens: Ansehen. Vier Jahre lang war russische Energie im Westen geächtet. Jetzt bedankt sich der amerikanische Präsident dafür. Drittens, und das wiegt am schwersten: ein Keil. Zwischen Washington und Kiew. Zwischen Washington und Brüssel. Putin musste dafür nichts erobern. Er musste nur einen Anruf entgegennehmen. Und er hat dabei etwas gewonnen, das sich nicht in Tonnen messen lässt: den Beweis, dass die Sanktionen des Westens nur so lange gelten, wie der Westen sie sich leisten kann.

Und einer hat gewonnen, der an diesem Telefonat gar nicht beteiligt war. Der Iran hat vorgeführt, was eine Meerenge bewirken kann. Er hat den amerikanischen Präsidenten nicht besiegt. Er hat ihn abhängig gemacht, von einem Preis an der Zapfsäule und von dem Mann, den Amerika seit vier Jahren mit Sanktionen belegt. Auffällig ist dabei, was in keiner der beiden Erklärungen steht. Das Weiße Haus hat nicht gesagt, wer für diesen Diesel bezahlt und wann er ankommt. Der Kreml hat nicht gesagt, was er im Gegenzug erhält. Wenn zwei Regierungen ein Geschäft verkünden und beide den Preis verschweigen, dann ist der Preis meistens das Interessanteste daran.

Worauf sollte man in den kommenden Wochen achten? Auf drei Dinge. Erstens: der erste Tanker. Bis zu diesem Sonntag gibt es eine Lizenz und ein Versprechen, aber keine Meldung über ein Schiff, das mit russischem Diesel Kurs auf einen amerikanischen Hafen genommen hat. Solange das so ist, hat Trump einen Dank ausgesprochen für etwas, das er noch nicht bekommen hat. Auch die einfachste Frage ist offen: Wer bezahlt diesen Diesel, der Staat oder private Händler, und zu welchem Preis? Das Weiße Haus hat sie nicht beantwortet.

Zweitens: die Raffinerien. Wenn die Ukraine ihre Angriffe fortsetzt, und alles spricht dafür, dann entscheidet sich in Rostow und an der Wolga, ob dieser Handel überhaupt erfüllt werden kann. Trump hat sein Versprechen an die amerikanischen Farmer an Anlagen gebunden, die in Reichweite ukrainischer Drohnen liegen. Das gibt Kiew eine Macht über die amerikanische Innenpolitik, die es vorher nicht hatte. Und es erklärt, warum der Ton aus Washington gegenüber Selenskyj so schnell so scharf geworden ist.

Drittens: das Datum. Die Lizenz gilt bis zum siebten April. Die Wahl ist in weniger als einem Monat. Dazwischen liegt ein Winter, in dem geheizt, geerntet und transportiert wird. Wenn der Preis bis zur Wahl nicht spürbar fällt, hat Trump den politischen Preis bezahlt und die Ware nicht bekommen. Bis dahin gibt es nur zwei Dinge: ein Versprechen im Netz und eine Lizenz aus dem Finanzministerium. Und wenn er fällt, dann wird man in Moskau sehr genau wissen, wem der amerikanische Präsident das verdankt.

Fassen wir zusammen. Am Freitag hat Donald Trump verkündet, dass Russland Millionen Tonnen Diesel liefern wird, und er hat sich bei Wladimir Putin dafür bedankt. Putin hat Bereitschaft erklärt und keine einzige Zahl genannt. Das amerikanische Finanzministerium hat die Sanktionen auf russischen Diesel bis zum April ausgesetzt, vier Wochen nachdem der Präsident ein Gesetz für härtere Sanktionen unterschrieben hat. In derselben Nacht brannte nach einem gemeldeten ukrainischen Drohnenangriff ein russisches Ölterminal. Europa bleibt bei seinen Sanktionen und zahlt dafür. Und was Moskau für diesen Handel bekommen hat, hat bis heute keine der beiden Regierungen gesagt, weder das Weiße Haus in Washington noch der Kreml in Moskau. Und begonnen hat das alles nicht in Moskau, sondern in der Straße von Hormus.

Ein halbes Jahr lang hieß es aus Washington, der Iran sei isoliert und Russland stehe unter Druck. An diesem Wochenende ruft Amerika in Moskau an, weil der Iran eine Meerenge kontrolliert. Wenn Sie wissen wollen, wie es weitergeht, dann sehen Sie sich jetzt das nächste Video an, das auf Ihrem Bildschirm erscheint.

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