Trump beschuldigt den Iran – dann widerspricht ihm Israels eigener Geheimdienst

Israel widerspricht Trump. Der amerikanische Präsident beschuldigt den Iran, hinter dem Angriff auf den Flug von Dubai nach Tel Aviv zu stecken, doch Israels eigene Geheimdienste gehen von einem Einzeltäter aus. „Oh, sie werden sehr hart getroffen, keine Sorge“, sagte Donald Trump am ersten Oktober, als ihn Reporter nach einer Spur nach Teheran fragten. Ob man ihn über Verbindungen des Täters zum Iran unterrichtet habe, wollte ein Journalist wissen. Seine Antwort: Nach allem, was er höre, laute sie Ja, aber man arbeite noch daran. Was hat diese Sätze ausgelöst? Ein Kopilot hat versucht, ein Passagierflugzeug zum Absturz zu bringen. Am dreißigsten September, auf einem Flug der Gesellschaft Flydubai von Dubai nach Tel Aviv, griff der Erste Offizier seinen Kapitän im Cockpit an. An Bord waren mehr als einhundertsiebzig Menschen. Doch Passagiere und Besatzung haben den Mann rechtzeitig überwältigt. Und was danach kam, hat nicht Teheran in Erklärungsnot gebracht, sondern Trump, denn es zeigt eine einfache Regel: Wer den Schuldigen nennt, bevor die Ermittler fertig sind, steht am Ende allein da.
Alles begann in Dubai, wo die Maschine an jenem Mittwoch in Richtung Israel abhob. Es sollte ein Linienflug werden wie jeder andere, auf einer Strecke, die zum Alltag gehört, seit die Emirate und Israel im Jahr zweitausendzwanzig ihre Beziehungen aufgenommen haben. Doch im Cockpit geschah etwas, womit niemand gerechnet hatte. Geflogen wurde die Boeing 737 von Kapitän Smit Machchhar, einem indischen Staatsbürger, und von einem Ersten Offizier aus dem Oman, den israelische und amerikanische Medien als Hamam al-Hammami identifizieren. Dieser Mann war kein Unbekannter. Nach Berichten des Wall Street Journal und des Senders CBS war er bei Oman Air aufgefallen, weil er radikale Internetseiten besucht hatte, man nahm ihn dort aus dem Flugdienst, und um das Jahr zweitausendvierundzwanzig verließ er die Gesellschaft. Flydubai stellte ihn später ein, ohne dass die Bedenken aus dem Oman dort ankamen, berichtet CBS. Nachgefragt hat offenbar niemand. Und das könnte der Grund sein, warum er an diesem Mittwoch im rechten Sitz saß. Als sich die Maschine Israel näherte, griff er den Kapitän an, nach einem Bericht der BBC mit der Notaxt aus dem Cockpit, und versuchte, die Kontrolle zu übernehmen. Das Flugzeug sackte nach Angaben der Jerusalem Post um rund viertausend Meter ab. Der verletzte Kapitän konnte noch die Cockpittür entriegeln, Passagiere und Flugbegleiter überwältigten den Angreifer, und zwei Piloten, die als Fluggäste an Bord waren, brachten die Maschine im saudischen Tabuk sicher auf den Boden. Die Besatzung hatte zuvor den allgemeinen Notfallcode gesendet, dann den Code für einen rechtswidrigen Eingriff, und in Israel stiegen Kampfflugzeuge auf, während der Luftraum vorübergehend gesperrt wurde. In Tabuk dauerte es nach Angaben der Jerusalem Post rund sechs Stunden, bis die Passagiere die Maschine verlassen konnten. Saudi-Arabien lehnte es ab, ein Flugzeug der israelischen Gesellschaft El Al landen zu lassen, und am Ende holte eine zweite Maschine von Flydubai die Menschen ab, mit einer Besatzung, die der Mossad zuvor überprüft hatte.
Aber Trump hat etwas weggelassen. Die Geschichte, die er erzählt, hat einen großen Haken: Seine engsten Verbündeten erzählen sie anders. Und zwar ausgerechnet jene Dienste, die über diesen Fall mehr wissen als jeder andere. Das geht aus einem Bericht der Jerusalem Post hervor, die sich auf mehrere Quellen beruft: Mossad, Schin Bet, die Armee und das Verkehrsministerium gehen demnach davon aus, dass der Mann ein Einzeltäter war, der nicht auf Befehl des Iran oder einer Terrorgruppe handelte. Der Sender CBS meldete am vierten Oktober dasselbe: Israelische Ermittler halten ihn für einen wahrscheinlichen Einzeltäter. Auch die BBC schreibt unter Berufung auf amerikanische und israelische Berichte von einem radikalisierten Einzelgänger. Damit stand Trump vor einer einfachen Entscheidung. Sollte er abwarten, was die Ermittler in den Emiraten, in Saudi-Arabien und in Israel herausfinden? Oder sollte er den Gegner nennen, mit dem er ohnehin im Krieg liegt? Trump hat sich für das Zweite entschieden. Und einfach so hatte dieser Fall einen Schuldigen, bevor er einen Beweis hatte. Wenn du wissen willst, wie dieser Fall weitergeht, dann abonniere jetzt den Kanal.

Über das Motiv wissen wir noch nicht sehr viel, und das ist nicht überraschend. Der Verdächtige wird nach Angaben von CBS in den Vereinigten Arabischen Emiraten zum zweiten Mal verhört, nachdem ihn zuerst die saudischen Behörden befragt hatten, und israelische Vertreter sind an den Ermittlungen beteiligt. Was bisher bekannt ist, stammt aus israelischen Medien, die sich auf Ermittler berufen: Der Mann soll ausgesagt haben, er habe nach dem Angriff zunächst normal weiterfliegen und die Maschine dann auf den Flughafen oder auf ein Hochhaus im Zentrum von Tel Aviv stürzen wollen, so berichtet es die BBC. Er wollte also möglichst viele Menschen mit in den Tod reißen. Darüber hinaus hat das Weiße Haus wenig gesagt. Einen Beleg für eine Spur nach Teheran hat es bis heute nicht vorgelegt, und ein israelischer Regierungsvertreter sagte nach einem Bericht der Jerusalem Post schon am ersten Oktober, die Arbeitsannahme bleibe, dass der Angreifer allein gehandelt hat. Das war am selben Tag, an dem Trump zum ersten Mal auf den Iran zeigte. Deutlicher können zwei Verbündete kaum auseinanderliegen.
Eines wissen wir sicher: Mit Drohungen gegen den Iran hält sich Trump nicht zurück. Auf die Frage, was geschehe, wenn Teheran hinter dem Angriff stecke, antwortete er an jenem ersten Oktober: „Fragt sie einfach, sie wissen, was dann passiert.“ Ob der Mann für die Revolutionsgarden gearbeitet haben könnte, wollte ein Reporter noch wissen, und Trump sagte: Könnte sein, ja. Das ist keine beiläufige Bemerkung. Sein Berater für Terrorabwehr, Sebastian Gorka, sagte der Jerusalem Post einen Tag später, die Sache mit dem Iran werde in Kürze gelöst, die Entscheidung liege jetzt beim Mullah in Teheran. Und wenn der Präsident einen Schuldigen nennt, dann hat das amerikanische Militär die Mittel, daraus Ernst zu machen. Der pensionierte General Jack Keane sprach am selben Tag im Sender Fox News von einer Rückkehr zu großen Kampfhandlungen, kürzer, aber gewaltiger als alles, was man bisher gesehen habe. Dem Magazin Time hatte Trump kurz zuvor gesagt, mit dem Iran könne es seiner Ansicht nach nie Frieden geben. Und Washington hat so etwas schon einmal getan. Zweimal in den vergangenen gut sechzig Jahren hat eine Behauptung, die sich später als falsch erwies, Amerika in einen Krieg geführt. Die erste stammt vom August neunzehnhundertvierundsechzig: Im Golf von Tonkin meldete die amerikanische Marine einen zweiten Angriff nordvietnamesischer Boote, der Kongress gab dem Präsidenten daraufhin freie Hand, und Jahrzehnte später kam die Geschichtsabteilung des Geheimdienstes NSA zu dem Schluss, dass es diesen zweiten Angriff nie gegeben hat. Die zweite kennt in Deutschland fast jeder. Am fünften Februar zweitausenddrei präsentierte Außenminister Colin Powell vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen angebliche mobile Biowaffenlabore des Irak, gestützt auf einen Informanten des deutschen Bundesnachrichtendienstes mit dem Decknamen Curveball, der Jahre später zugab, gelogen zu haben. Die Waffen wurden nie gefunden. Powell selbst nannte diesen Auftritt später einen Schandfleck in seiner Laufbahn. Wenn du dich also fragst, wie ernst ein Satz wie „Sie werden sehr hart getroffen“ zu nehmen ist, dann gibt es nur eine Antwort: sehr ernst. Ein amerikanischer Präsident, der einen Schuldigen nennt, schafft Tatsachen, auch wenn die Beweise noch fehlen.
Was den Täter angeht, ist seine Vorgeschichte sehr aufschlussreich. Nichts daran führt bisher nach Teheran. Er ist omanischer Staatsbürger, und nach Angaben von CBS durchlief er bei Oman Air nur einen Teil seiner Pilotenausbildung. Die Spur führt stattdessen durch mehrere Länder, und überall hat jemand etwas bemerkt und es für sich behalten. Nach einem Bericht der Financial Times studierte er vor etwa zehn Jahren in Melbourne. Der australische Geheimdienst führte aus dieser Zeit eine Akte über ihn, weil er extremistische Kreise und Internetseiten aufgesucht haben soll. In Australien prüft inzwischen die gemeinsame Antiterroreinheit des Bundesstaates Victoria seine Verbindungen. Das ist kein kleines Detail. Die Gesellschaft Royal Air Maroc bildete ihn laut der Jerusalem Post im Jahr zweitausendfünfundzwanzig drei Monate lang aus und stellte ihn dann nicht ein. Auch dort blieb der Vorgang ohne Folgen. Nach Angaben von CBS veröffentlichte er außerdem ein Video von Maschinen der israelischen Gesellschaft El Al, zusammen mit einem Bild des getöteten Al-Kaida-Chefs Aiman al-Sawahiri. Al-Kaida aber ist kein Werkzeug Teherans, und die Jerusalem Post erinnert daran, dass die amerikanische Untersuchungskommission zum elften September zwar Durchreisen über den Iran dokumentierte, aber keinen Hinweis fand, dass Teheran von jenem Plan wusste. Der frühere Schin-Bet-Beamte Schalom Ben Hanan sagte dem Sender NBC, alles sehe nach der Tat eines Einzelnen aus, angeregt von Inhalten, auf die er im Netz gestoßen sei. Die BBC berichtet unter Berufung auf Ermittlerkreise sogar, er habe schon bei einem früheren Flug nach Tel Aviv an eine solche Tat gedacht und sie nur deshalb verworfen, weil er jemanden an Bord kannte. Wo immer man in diesem Lebenslauf sucht, findet man Warnzeichen, die niemand weitergegeben hat. Einen Auftraggeber findet man bisher nicht.
Angesichts dieser Vorgeschichte stellt sich eine ganz andere Frage. Wie kam dieser Mann überhaupt in dieses Cockpit? In jeder Boeing 737 hängt hinter dem Sitz des Kopiloten eine Notaxt, mit der die Besatzung im Ernstfall Türen oder Fenster aufbrechen kann. Das erklärte der frühere Luftwaffen- und Linienpilot Buzz Patterson im Sender Fox News, und er fügte hinzu, bei ausländischen Gesellschaften beruhe die Überprüfung von Piloten, Kabinenpersonal und Bodenkräften oft nur auf deren eigenen Angaben. Hinzu kommt eine Regel, die offenbar niemand durchgesetzt hat: Nach israelischen Vorschriften dürfen Bürger von Staaten ohne diplomatische Beziehungen zu Israel, also auch aus dem Oman, solche Flüge gar nicht steuern, berichtet die BBC. Anwar Gargasch, der außenpolitische Berater des Präsidenten der Emirate, nannte den Vorfall einen gefährlichen und möglicherweise katastrophalen Terrorakt. Auch die Generalstaatsanwaltschaft der Emirate stuft die Tat als Terrorakt ein. Über einen Auftraggeber sagt das nichts. Es zeigt aber, dass die Emirate den Fall selbst aufklären wollen, denn sie leiten die Ermittlungen. Vergleichen wir das mit der Reaktion in Israel. Dort hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu angeordnet, sämtliche Sicherheitsfragen im ausländischen Zivilflugverkehr nach Israel überprüfen zu lassen. Der Leiter des Nationalen Sicherheitsrats, Schmuel Ben Esra, soll dafür einen Prüfer einsetzen. Vieles davon bleibt aus naheliegenden Gründen geheim. Bekannt ist aber, dass der Chef des Schin Bet, David Zini, ein vorläufiges Verbot der Flüge zwischen den Emiraten und Israel vorgeschlagen hat und dass Verkehrsministerin Miri Regev ihn dabei unterstützt. Selbst der amerikanische Vizepräsident Vance sagte am fünften Oktober, man habe gewusst, dass dieser Mann ein Problem sei, er hätte niemals ein Verkehrsflugzeug steuern dürfen. Nimmt man das alles zusammen, die Warnung aus dem Oman, die Akte in Australien, die Absage in Marokko und die Vorschrift in Israel, dann hat man eine Kette von Versäumnissen, die ganz ohne Teheran auskommt. Vor diesem Hintergrund ist klar, warum Israels Dienste von einem Einzeltäter ausgehen. Bemerkenswerter ist, was danach kam. Der Zeitpunkt von Trumps Vorwurf ist entscheidend, und warum, erfährst du gleich. Zuerst ein kurzer Hinweis: Wir zeigen dir das ganze Bild und nicht nur die Schlagzeile, also abonniere den Kanal und aktiviere die Glocke.

Kommen wir zurück zum Kalender. Der Angriff geschah am dreißigsten September, Trumps Vorwurf fiel am ersten Oktober. Weißt du noch, was in genau diesen Tagen sonst geschah? Washington schickte neue Truppen an den Golf. Zwar begründet das Pentagon diese Verlegung mit dem Krieg um die Straße von Hormus, aber die Daten passen fast perfekt zusammen. Am zweiten Oktober wurde bekannt, dass die Flugzeugträgergruppe Theodore Roosevelt und ein amphibischer Verband mit rund neuntausend Soldaten in Marsch gesetzt wurden. Am selben Tag kamen nach Angaben von CBS der Vizepräsident, der Außenminister, der Verteidigungsminister, der CIA-Direktor und der Generalstabschef in Camp David zusammen, um stundenlang über den Krieg zu beraten. Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte in denselben Tagen, der Präsident habe alle Optionen auf dem Tisch, die er brauche. Und das Wall Street Journal hatte schon Ende September berichtet, Trump rechne damit, die Bombardierung des Iran nach den Zwischenwahlen wieder aufzunehmen. Mit dem Flugzeug hat das alles nichts zu tun. Aber es zeigt, in welche Lage dieser Vorwurf fällt. Für einen Präsidenten, der vor der Entscheidung über neue Angriffe steht, ist es bequem, wenn ein Anschlag auf ein Flugzeug voller Israelis dem Gegner zugeschrieben wird. Beweise hin oder her. Genau deshalb wiegt jedes seiner Worte so schwer. Schon die bloße Andeutung, Teheran habe diese Maschine zum Absturz bringen wollen, reicht aus, um den nächsten Schlag zu begründen.
Der angekündigte Schlag ist bisher ausgeblieben. Jedenfalls bis jetzt. In den Tagen nach dem Vorfall gab es keinen amerikanischen Angriff, der mit diesem Flugzeug begründet worden wäre. Das heißt nicht, dass die Sache vergessen ist. Netanjahu sagte am zweiten Oktober: „Wir klären gerade, ob er geschickt wurde, und wer ihn geschickt hat, wird einen sehr hohen Preis bezahlen.“ Mit anderen Worten: Die Drohung steht im Raum, sie wartet nur auf einen Beleg. Findet sich einer, dann wird der nächste Schlag verheerend. Bisher aber gibt es ihn nicht. Einer der Passagiere, die den Angreifer überwältigten, ist der israelische Klempner Janiv Hajun. Der amerikanische Botschafter in Israel, Mike Huckabee, empfing ihn wenige Tage später und sagte, ohne ihn wären alle Menschen an Bord verloren gewesen, darunter dreißig Kinder. Netanjahu selbst sagte dem Sender CBS, er glaube gar nicht, dass es eine Entführung war, der Mann habe sterben und die Maschine mit sich reißen wollen. Der Angreifer habe sich radikalisiert, sagte er. Für eine Aussage über Teheran sei es zu früh, sagte er laut der Jerusalem Post. Sogar Netanjahu hält sich also zurück. Und der Iran? Der Sprecher des Außenministeriums, Esmail Baghai, wies jede Verbindung zurück, sprach von einer Operation unter falscher Flagge und von fabrizierten Beweisen und nannte das eine abgenutzte Taktik. Solche Vorwürfe erinnerten an das, was die Welt in den vergangenen sieben Monaten selbst miterlebt habe, sagte er der Agentur Tasnim. Belege für das Gegenteil hat bisher niemand vorgelegt, weder Washington noch Jerusalem. Damit wäre die Lage eigentlich klar. Die Ermittler ermitteln, die Dienste halten sich zurück, und Teheran bestreitet.
Das Einzige, was diese Ruhe beenden könnte, wäre, wenn jemand nachlegt, zum Beispiel der Präsident selbst. Du darfst dreimal raten, was Trump gerade getan hat. Am fünften Oktober, im Garten des Weißen Hauses auf dem Weg zu einem Wahlkampfauftritt in Nebraska, wiederholte er den Vorwurf und ging noch einen Schritt weiter. Er glaube, Teheran sei für den Vorfall verantwortlich, sagte er nach Berichten der Sender Iran International und Kurdistan24. Einen Beleg nannte er wieder nicht, und Kurdistan24 hält fest, dass seine Einschätzung von den vorläufigen Ergebnissen der Ermittler abweicht. Diese Nachricht kam während der Arbeit an diesem Video. Wenn du es siehst, kann sich die Lage schon wieder geändert haben. Am selben Tag hatte Vizepräsident Vance auf dem Stützpunkt Andrews vor Reportern gesagt, er habe nichts Eindeutiges gesehen, was den Angriff mit dem Iran verbinde, das überlasse er dem CIA-Direktor John Ratcliffe. Zur Überprüfung ausländischer Piloten fügte er hinzu, bei jedem, der von außerhalb der Vereinigten Staaten komme, müsse man besonders vorsichtig sein. Ein offener Bruch ist das nicht. Aber es ist das zweite Mal in einer Woche, dass der Präsident weiter geht als alle, die die Akten kennen. Und es ist genau die Art von Satz, die sich später nur schwer zurücknehmen lässt.
Zurück zu den Ermittlungen, denn sie laufen weiter. Neben den Emiraten und Israel prüft auch Australien die Vergangenheit des Mannes. Auf den Iran richten sich diese Ermittlungen bisher nicht. Stattdessen suchen sie nach den Lücken, durch die ein Mann mit dieser Vorgeschichte in ein Cockpit gelangen konnte. Ein hochrangiger Vertreter der Emirate sagte der Jerusalem Post allerdings, eine mögliche iranische Verbindung werde geprüft, neben anderen Hypothesen. Auch das gehört zur Wahrheit. Geprüft wird alles, belegt ist davon bisher nichts. Die Frage lautet also: Ist das gewöhnliche Ermittlungsarbeit, oder weiß Washington mehr, als es sagt? Wie ernst Israel die Lage nimmt, zeigt auch dies: Generalstabschef Ejal Samir sagte eine geplante Reise in die Vereinigten Staaten ab, und der Präsident der Emirate, Mohammed bin Sajed, telefonierte nach dem Vorfall mit Netanjahu. Auch die Regierung in Jerusalem geht einen eigenen Weg. Sie richtet ihren Ärger nicht gegen Teheran, sondern gegen die eigenen Kontrollen und gegen die Emirate, die einen omanischen Staatsbürger auf einem Flug nach Israel ins Cockpit ließen. Eine Quelle aus dem Umfeld des saudischen Königshauses sagte der Jerusalem Post dazu einen Satz, der weit über diesen Flug hinausweist: Israel müsse verstehen, dass sich Normalisierung nicht erzwingen lasse. Das wirft Fragen auf, die mit dem Iran nichts zu tun haben, etwa die, warum Oman seine Warnung nicht geteilt und warum niemand danach gefragt hat. Darauf bekommen wir vielleicht nie eine Antwort. Fest steht nur, dass Hinweise auf diesen Mann in mindestens drei Ländern vorlagen, im Oman, in Australien und in Marokko, und dass sie nirgends zusammengeführt wurden, bevor er in Dubai ins Cockpit stieg. Die Passagiere aber sind in Sicherheit. Der Kapitän hat überlebt, sein Zustand gilt als stabil, und der Plan des Kopiloten ist gescheitert.

Der Krieg am Golf ist damit aber längst nicht vorbei. Ein unbewiesener Vorwurf steht jetzt neben neuntausend zusätzlichen Soldaten. Da kommt noch mehr. Mehr Drohungen aus Washington, mehr Dementis aus Teheran und vielleicht irgendwann ein Ermittlungsbericht, der die Frage wirklich beantwortet. Solange dieser Bericht nicht vorliegt, bleibt Trumps Satz eine Behauptung. Für die Menschen am Golf, in Israel und im Iran hängt viel davon ab, ob in Washington am Ende die Akten entscheiden oder die Stimmung im Wahlkampf. Trump mag sich diesmal weit vorgewagt haben. Das heißt aber nicht, dass er es nicht wieder tut, wenn sich die Gelegenheit bietet. Bleibt der Vorwurf stehen, dann könnte Washington am Ende genau das tun, wovor seine Verbündeten am Golf warnen: den Krieg wieder aufnehmen. Diese Möglichkeit liegt weiter auf dem Tisch, aber wie würde das ausgehen? Und käme es so, wie Amerika es sich wünscht? Darum geht es in unserem Video über den Präsidenten, der dachte, der Iran blufft. Wem glaubst du in diesem Fall? Schreib es uns in die Kommentare und abonniere den Kanal, damit du die nächste Recherche nicht verpasst. Danke, dass du dabei warst. Bis zum nächsten Mal.
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