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Alles, was Washington vor der UN fürchtete… der Iran hat es gerade getan

Von Frum Report DE24. September 2026

Der September 2026 hat sich für Washington gerade von schlecht zu schlimmer entwickelt. Dies sollte das Jahr werden, in dem der Iran zusammenbricht. Teheran würde an den Verhandlungstisch gezwungen, Trump hielte sämtliche Karten in der Hand, und mit etwas Glück bliebe die Welt überzeugt, dass der Zusammenbruch der Islamischen Republik unvermeidlich sei. Mehr Druck würde auf Teheran ausgeübt. Trump bekäme alles, was er wollte. Was für einen Unterschied sieben Monate machen. Das Jahr ist nicht annähernd so verlaufen, wie Trump es geplant hatte. Und wenn Sie dachten, dieser Krieg liefe für Washington schon schlecht, dann hat der 23. September alles noch sehr viel schlimmer gemacht. Das eine, was Washington vor der Weltöffentlichkeit befürchtet hatte, ist an diesem Tag geschehen. Und um die Lage für Trump weiter zu verschärfen: Wir erleben möglicherweise einen Wendepunkt darin, wie der Rest der Welt auf diesen Krieg blickt. Am Tag zuvor war Trump selbst an das Rednerpult der Vollversammlung getreten und hatte dem Iran die Wahl gestellt zwischen einem Abkommen und der Vernichtung. Potenzielle Größe oder Auslöschung, so formulierte es der amerikanische Präsident, und er erklärte iranische Atomwaffen für nicht verhandelbar.

Vierundzwanzig Stunden später stand an genau diesem Rednerpult der iranische Präsident Massud Peseschkian, in der einundachtzigsten Sitzungsperiode der Generalversammlung. Er begann seine Rede nicht mit Zahlen, nicht mit Forderungen, nicht mit Drohungen. Er begann mit einer Grundschule. Zu Beginn des Krieges war eine iranische Grundschule von einem amerikanischen Angriff getroffen worden, und mit diesem Bild eröffnete Peseschkian seinen Auftritt vor der Welt. Die Iraner, so sagte er, seien selbst Opfer des Terrorismus geworden. Es war eine seltene Rede: ein Staatsoberhaupt, das mitten im Krieg vor der Vollversammlung spricht. Für Teheran war dies der erste Auftritt dieser Art seit Kriegsbeginn. Und Peseschkian tat etwas, das iranische Präsidenten an diesem Ort normalerweise vermeiden. Er nannte Trump beim Namen. Es müsse von Herrn Trump und von jenen verstanden werden, die versuchten, sie zu tyrannisieren, dass der Iran zu Dialog, zu Diplomatie und zu Verhandlungen bereit sei. Aber nicht, solange die Sprache der Gewalt die Bedingungen diktiere. Um das eigene Land zu verteidigen, brauche man niemandes Erlaubnis. Man werde den Kopf nicht senken und das Recht nicht aufgeben, das einem von Natur aus zustehe. Er sprach von einem schweren Schlag gegen das internationale Vertrauen, den die amerikanischen und israelischen Angriffe verursacht hätten. Er sprach von Angriffen auf Zivilisten und auf Infrastruktur. Und er warf jenen, die den Iran seit Jahren als Terrorstaat bezeichnen, denselben Vorwurf zurück. Das ist bemerkenswert, weil es die Rollenverteilung umkehrt, die in diesem Saal seit Jahrzehnten gilt. Der Iran stand nicht als Angeklagter dort. Er stand als Ankläger dort. Und die Regierungen, die diesen Krieg führen, saßen vor ihm. Zumindest hätten sie dort sitzen sollen.

Denn genau an dieser Stelle wird das Bild unübersichtlich. Nur Minuten nachdem Peseschkian zu sprechen begonnen hatte, verließ die amerikanische Seite den Saal. Die Sitze der Vereinigten Staaten blieben leer, während der iranische Präsident vor der einundachtzigsten Generalversammlung sprach. Über die genaue Form dieses Auszugs gehen die Darstellungen auseinander. Al Jazeera berichtete, ein Vertreter der amerikanischen Delegation habe den Saal verlassen. Andere Häuser sprachen von der Delegation insgesamt. Wieder andere hielten schlicht fest, dass die Plätze leer blieben. Die Unterschiede klingen klein. Sie sind es nicht. Denn ob ein einzelner Beamter hinausgeht oder eine ganze Delegation den Saal räumt, ist der Unterschied zwischen einer Geste und einer Ansage. Was sich jedoch nicht unterscheidet, ist der zweite Teil des Bildes. Die israelische Delegation war während dieser Rede überhaupt nicht anwesend. Sie war nicht hinausgegangen. Sie war gar nicht erst gekommen. Das Wall der leeren Stühle war also kein Zufall und kein Terminproblem. Es war eine Entscheidung. Und der Auszug erfolgte, während Peseschkian genau jene Äußerungen kritisierte, die Trump am Tag zuvor an demselben Ort gemacht hatte. Zwei Regierungen, die in diesem Krieg die stärkeren Waffen besitzen, hatten für die Antwort der Gegenseite keine zwanzig Minuten übrig.

Und damit sind wir bei der eigentlichen Frage dieses Tages. Es geht nicht darum, wer lauter gesprochen hat. Es geht darum, wen diese Rede eigentlich adressiert hat. Peseschkian griff nicht ein Volk an. Er griff keine Religion an. Er nannte Regierungen. Die amerikanische Regierung und die israelische Regierung, namentlich und wiederholt, als die Urheber dessen, was er einen schweren Schlag gegen das internationale Vertrauen nannte. Das ist juristisch und politisch ein erheblicher Unterschied, und es ist derselbe Unterschied, den auch wir in diesem Kanal seit jeher machen. Kritik an einer Regierung ist keine Kritik an den Menschen, die unter ihr leben. Die zweite Botschaft war technischer, aber für die kommenden Wochen wichtiger. Keine Atomwaffen, aber auch keine Begrenzung neuer friedlicher Nukleartechnologie. So hat Peseschkian es formuliert, in einem einzigen Satz, vor der Vollversammlung. Man muss diesen Satz zweimal lesen, um zu verstehen, was er bedeutet. Er ist gleichzeitig ein Zugeständnis und eine rote Linie. Das Zugeständnis lautet: Der Iran erhebt keinen Anspruch auf die Bombe. Die rote Linie lautet: Über das zivile Programm wird nicht verhandelt. Trump hatte am Vortag von derselben Tribüne aus erklärt, iranische Atomwaffen seien nicht verhandelbar. Beide Seiten reden also, oberflächlich betrachtet, über dieselbe Sache. Beide Seiten sagen, der Iran solle keine Atomwaffen haben. Und trotzdem liegt zwischen diesen beiden Sätzen ein Krieg. Denn Washington versteht darunter Kontrolle über das gesamte Programm. Teheran versteht darunter Kontrolle über die Waffe und über sonst nichts. Wer diesen Unterschied nicht sieht, wird nicht verstehen, warum in den kommenden Monaten keine Einigung zustande kommt. Und genau hier beginnt der Teil der Geschichte, den in den Abendnachrichten kaum jemand erzählt.

Reden wir über Geld. Denn darum geht es bei diesem Krieg in Wahrheit. Während in New York über Formulierungen gestritten wurde, läuft am Persischen Golf eine Rechnung, die jede Woche größer wird. Eine Kriegsrisikoprämie ist die Summe, die ein Reeder zusätzlich zahlt, damit sein Schiff in einem Kriegsgebiet überhaupt versichert wird. Vor diesem Krieg lag diese Prämie in der Straße von Hormus bei null Komma zwei fünf Prozent des Schiffswertes. Heute liegt sie zwischen drei und zehn Prozent. Das klingt nach einer kleinen Zahl. Übersetzen wir sie in Geld. Ein Tanker im Wert von einhundert Millionen Dollar zahlte vor dem Krieg rund zweihundertfünfzigtausend Dollar für diesen Schutz. Heute zahlt derselbe Tanker zwischen drei und zehn Millionen Dollar. Für die ganz großen Schiffe wird es absurd. Für einen Tanker mit zweihundertsiebzigtausend Tonnen Ladefähigkeit kann die Versicherung einer einzigen Durchfahrt durch die Straße von Hormus auf Höhepunkten rund einundzwanzig Millionen Dollar kosten. Einundzwanzig Millionen Dollar. Für eine Fahrt. Für eine Strecke, die ein Schiff in wenigen Stunden zurücklegt. Und diese Kosten bleiben nicht bei den Reedern. Der Transport von Rohöl vom Persischen Golf nach China wurde zur Jahresmitte mit rund achtundsiebzig Dollar pro Tonne bewertet. Das ist ungefähr das Vierfache des Durchschnitts der fünf Jahre vor diesem Konflikt. Allein die Kriegsrisikoversicherung macht auf dieser Route bei großen Tankern über zwanzig Dollar pro Tonne aus. Und wer jetzt denkt, das sei ein Problem Asiens, der irrt sich. Die Frachtraten nach Nordeuropa liegen einundfünfzig Prozent über dem Vorkriegsniveau. Für das Mittelmeer sind es fünfundvierzig Prozent. Das ist die eigentliche Rechnung dieses Krieges, und sie steht nicht in der Rede eines Präsidenten. Sie steht auf den Frachtbriefen, die in Hamburg, in Rotterdam und in Antwerpen abgezeichnet werden.

Und genau deshalb geht diese Wette in Europa nicht auf. Denn während in Washington über Vernichtung gesprochen wird, ist die Haltung der deutschen Bevölkerung seit Monaten eindeutig, und sie ist es mit einer Deutlichkeit, die man in Umfragen selten sieht. Eine militärische Beteiligung Deutschlands an diesem Krieg, wie sie der amerikanische Präsident gefordert hatte, lehnen dreiundneunzig Prozent der Befragten ab. Dafür sind fünf Prozent. Einundsechzig Prozent sprechen sich gegen einen Einsatz der deutschen Marine in der Straße von Hormus aus. Achtundsechzig Prozent lehnen militärische Unterstützung für andere Staaten der Region ab. Einundsiebzig Prozent halten den Angriff der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran für nicht gerechtfertigt und für einen Bruch des Völkerrechts. Und neunundsechzig Prozent fordern eine Verurteilung durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sowie einen vollständigen Stopp der Waffenlieferungen in den Nahen Osten. Das sind keine Randmeinungen. Das sind Mehrheiten, wie sie in diesem Land zu fast keinem anderen Thema existieren. Und sie erklären, warum die Sitze im Saal an jenem Nachmittag nicht nur auf amerikanischer Seite ein Problem waren.

Bevor wir tiefer einsteigen: Wenn Ihnen diese Einordnung etwas bringt, abonnieren Sie den Kanal und aktivieren Sie die Glocke. Sind Sie wieder da? Gut. Dann schauen wir uns jetzt an, was Washington militärisch tatsächlich noch in der Hand hat.

Denn während der amerikanische Präsident vor der Vollversammlung von Auslöschung sprach, läuft in den Depots eine Rechnung gegen ihn. Das Center for Strategic and International Studies, eine der angesehensten sicherheitspolitischen Einrichtungen Washingtons, hat die amerikanischen Bestände an Abfangraketen durchgerechnet. Vor Kriegsbeginn verfügten die Vereinigten Staaten über rund zweitausenddreihundertdreißig Patriot-Abfangraketen. Heute liegt der Bestand nach Schätzung des Instituts zwischen siebenhundertneunundfünfzig und achthundertsiebenundzwanzig. Das ist ein Rückgang um etwa zwei Drittel. Beim Waffenstillstand im April lag die Zahl noch bei etwa eintausenddreißig. Seitdem ist ein weiteres Drittel verbraucht worden. Beim System THAAD, das für die Abwehr auf größerer Höhe zuständig ist, sieht es nicht besser aus. Vierhundertzweiundfünfzig Abfangflugkörper vor dem Krieg, heute zwischen zweihundertvierunddreißig und zweihundertachtundsiebzig. Die Analysten Mark Cancian und Chris Park, die diese Zahlen zusammengetragen haben, formulieren die Folge sehr nüchtern. Verringerte Bestände könnten die Vereinigten Staaten und ihre Koalitionspartner zwingen, bei Abfangversuchen mehr Risiko einzugehen. Im Klartext heißt das: Man schießt nicht mehr auf alles, was kommt. Man wählt aus. Und der zweite Satz wiegt schwerer als der erste. Der Wiederaufbau dieser Bestände wird Jahre dauern. Nicht Monate. Jahre. In einer Analyse zu diesem Thema stand ein Satz, der die ganze Lage zusammenfasst: China und Russland schauen zu.

Und das führt uns zu einem Widerspruch, der die ganze Woche über in den Reden mitlief, ohne dass ihn jemand ausgesprochen hätte. Derselbe Satz, mit dem der amerikanische Präsident dem Iran die Vernichtung androhte, enthielt auch das Gegenteil. Potenzielle Größe oder Auslöschung. Das ist keine Drohung mit zwei Teilen. Das ist ein Angebot und ein Ultimatum in einem einzigen Atemzug. Auf der einen Seite die Auslöschung. Auf der anderen Seite die Größe. Wer beides gleichzeitig sagt, sagt in Wahrheit etwas Drittes. Er sagt, dass er das Ergebnis noch nicht kennt. Und in Teheran wird genau so zugehört. Man hört nicht auf die Adjektive. Man zählt die Abfangraketen. Das Kartenhaus, das über Monate aufgebaut worden ist, steht deshalb heute anders da, als es aussehen soll. Die Drohung ist größer geworden. Die Munition dahinter ist kleiner geworden. Und beides gleichzeitig ist auf Dauer nicht durchzuhalten.

Schauen wir auf die Verluste, denn dort wird der Krieg ehrlich. Dieser Krieg läuft am Tag der Rede im zweihundertachten Tag. Sieben Monate, in denen beide Seiten Material verbraucht haben, das sich nicht in Wochen ersetzen lässt. Die iranische Seite führt inzwischen eine kumulative Aufstellung, die für amerikanische Verhältnisse ungewöhnlich ist. Dreiundfünfzig zerstörte Drohnen vom Typ MQ-9 stehen auf dieser Liste, Stand siebzehnter September. Die MQ-9 ist die amerikanische Aufklärungs- und Kampfdrohne, die über dem Golf den größten Teil der Luftaufklärung leistet. Das amerikanische Verteidigungsministerium hat diese Zahl bis heute weder bestätigt noch zurückgewiesen. Das ist der bemerkenswerte Teil. Nicht die Zahl selbst, sondern das Schweigen dazu. Wer eine falsche Zahl schnell dementieren kann, tut das normalerweise am selben Tag. Am einundzwanzigsten September traf es dann die zivile Schifffahrt. Zwei Handelsschiffe wurden in der Meerenge getroffen. Eines von einem nicht identifizierten Geschoss, mit zwei verletzten Besatzungsmitgliedern. Das zweite, ein Flüssiggastanker, durch Trümmer. Beide Vorfälle sind bis heute keiner Seite zugeordnet worden. Auch das ist ein Muster in diesem Krieg. Je enger die Meerenge wird, desto weniger lässt sich sagen, wer geschossen hat. Und über all dem liegt eine Zahl, die erklärt, warum die ganze Welt auf diesen Streifen Wasser schaut. Der Ölfluss aus dem Nahen Osten lag im Durchschnitt der zehn vorangegangenen Tage bei siebzehn Komma eins Millionen Barrel pro Tag. Diese Zahl ist unverändert geblieben. Das klingt beruhigend. Es ist das Gegenteil. Denn sie beschreibt, wie viel Öl die Welt aus dieser Region jeden Tag braucht, während der Zugang zu dieser Region immer enger wird.

Und genau hier wird das Bild wirklich ernst, denn die Meerenge selbst ist inzwischen nahezu stillgelegt. Die Straße von Hormus ist die Stelle, an der ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports durch eine Wasserstraße muss, die an ihrer engsten Stelle nur wenige Kilometer breit ist. Vor dieser Krise passierten diese Meerenge im Schnitt etwa fünfundachtzig Handelsschiffe pro Tag. Am zwanzigsten September verzeichnete die Schiffsdatenbank des Internationalen Währungsfonds für diese Meerenge eine einzige Handelsdurchfahrt. Eine. An einem ganzen Tag. Von fünfundachtzig auf eins. Das ist keine Verlangsamung. Das ist ein Stillstand. Und die Schiffe, die nicht durchfahren, verschwinden ja nicht. Sie warten. Am dreiundzwanzigsten September, um fünf Uhr neunundvierzig Weltzeit, zählte ein unabhängiger Beobachter dreihundertsechsundneunzig Schiffe, die innerhalb der Meerenge und im Golfgebiet auf Position lagen, ohne einen Liegeplatz anzusteuern. Dreihundertsechsundneunzig Schiffe. Voll beladen. Wartend. Mit laufenden Versicherungen, laufenden Charterkosten und Besatzungen an Bord, die seit Monaten nicht nach Hause gekommen sind. Das ist die eigentliche Front dieses Krieges. Sie liegt nicht in der Wüste. Sie liegt auf dem Wasser, und sie besteht aus Schiffen, die nichts getan haben, als eine Route zu fahren, die seit Jahrzehnten als sicher galt. Und während in New York über Formulierungen gestritten wurde, wurde diese Warteschlange nicht kürzer. Sie wurde länger.

Fügen wir das alles zusammen, dann ergibt sich ein Bild, das mit den Reden dieser Woche wenig zu tun hat. Die Drohung aus Washington war an diesem Dienstag so groß wie nie zuvor in diesem Krieg. Die Mittel dahinter sind kleiner als zu jedem früheren Zeitpunkt dieses Krieges. Zweitausenddreihundertdreißig Abfangraketen sind auf höchstens achthundertsiebenundzwanzig geschrumpft. Der Wiederaufbau dauert Jahre. Die Meerenge, über die Washington die Kontrolle beansprucht, lässt an manchen Tagen ein einziges Schiff durch. Dreihundertsechsundneunzig weitere liegen davor. Die Versicherungsprämien haben sich mehr als verzehnfacht. Und in Europa lehnt eine Bevölkerungsmehrheit von dreiundneunzig Prozent jede Beteiligung an diesem Krieg ab. Das ist die Lage, in der ein Präsident vor der Vollversammlung von Auslöschung spricht. Abschreckung funktioniert nur so lange, wie beide Seiten glauben, dass die Munition dahinter reicht. Wenn eine Seite anfängt, die Bestände der anderen nachzurechnen, verliert jede Drohung ihre Wirkung, egal wie laut sie vorgetragen wird. Und genau das ist an diesem Mittwoch passiert. Der iranische Präsident hat nicht mit einer Gegendrohung geantwortet. Er hat mit einer Rechnung geantwortet. Er hat gesagt, dass man den Kopf nicht senken werde, und er hat es an einem Ort gesagt, an dem die Stühle der Gegenseite leer waren. Leere Stühle sind in der Diplomatie kein Protest. Sie sind ein Eingeständnis. Man verlässt einen Saal, wenn man auf das, was gesagt wird, nichts zu erwidern hat. Und deshalb war der zweite Tag dieser Vollversammlung wichtiger als der erste. Am ersten Tag wurde gedroht. Am zweiten Tag wurde sichtbar, wer die Drohung noch decken kann.

Für Deutschland ist das keine ferne Angelegenheit, auch wenn es sich in den Nachrichten so anhört. Frachtraten sind keine Börsenzahlen, die irgendwo in einem Handelsraum auf- und abgehen. Sie sind Vorkosten. Sie stehen am Anfang einer Kette, an deren Ende ein Preisschild in einem Regal hängt. Wenn der Transport nach Nordeuropa einundfünfzig Prozent mehr kostet, dann taucht dieser Aufschlag mit einigen Wochen Verzögerung in Dieselpreisen, in Heizkosten, in Versicherungsbeiträgen und in den Kalkulationen jedes Unternehmens auf, das Rohstoffe aus dieser Region bezieht. Die Rechnung kommt also an, sie kommt nur später an und sie trägt keinen Absender. Und das erklärt, warum die Zustimmung in der Bevölkerung so eindeutig ausfällt. Es geht nicht nur um die Frage, ob deutsche Soldaten in diesen Krieg geschickt werden sollen. Es geht um die Frage, wer für einen Konflikt zahlt, an dessen Beginn dieses Land nicht beteiligt war. Achtundsechzig Prozent der Befragten lehnen militärische Unterstützung für andere Staaten der Region ab. Das ist bemerkenswert, weil in Kriegszeiten normalerweise genau umgekehrt argumentiert wird. Wer in einem Bündnis steht, so lautet das übliche Argument, muss mittragen. Diese Mehrheit sagt etwas anderes: Mittragen ja, aber nicht in einem Krieg, an dessen Beginn dieses Land nicht beteiligt war. Denn wer die Sicherung einer Wasserstraße übernimmt, übernimmt nicht eine Aufgabe. Er übernimmt ein Risiko, das keine Versicherung mehr abdeckt. Dreihundertsechsundneunzig wartende Schiffe sind der Beweis dafür, dass dieses Risiko längst niemand mehr freiwillig trägt. Und solange das so bleibt, wird jede weitere Rede vor der Vollversammlung dasselbe Problem haben wie die Reden dieser Woche. Sie beschreibt eine Stärke, die in den Depots nicht mehr vorhanden ist.

Zwei Fragen bleiben, und wir möchten sie Ihnen mitgeben. Erstens: Glauben Sie, dass eine Drohung Wirkung behält, wenn die Gegenseite die Bestände dahinter mitzählen kann? Und zweitens: Wer sollte Ihrer Meinung nach die Rechnung für eine Meerenge bezahlen, durch die an manchen Tagen ein einziges Schiff fährt? Schreiben Sie es uns in die Kommentare, gern mit Begründung. Wir lesen jeden einzelnen Beitrag und greifen die interessantesten in einer der kommenden Sendungen auf. Bleiben Sie bei uns, wenn Sie wissen wollen, wie es in dieser Meerenge weitergeht.

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