Trump wollte Teheran auslöschen... Irans Antwort war brutal

Donald Trump griff, um die tiefe existenzielle Panik zu überdecken, die seine Armee nach sieben Monaten Krieg und die nahenden Zwischenwahlen ausgelöst haben, erneut zu dem, was er am besten beherrscht. Zu jener vertrauten Taktik der Vernichtungsdrohung. Unmittelbar nachdem amerikanische Unterhändler in New York drei Stunden lang mit iranischen Vermittlern verhandelt hatten, trat er am zweiundzwanzigsten September vor die einundachtzigste Vollversammlung der Vereinten Nationen und kündigte dort eine der härtesten, rücksichtslosesten und folgenschwersten Drohungen der letzten Jahre an. Die Vernichtung der Islamischen Republik, das Wort von der Hölle und die Ankündigung, es gebe weder eine Überlebenschance noch eine Hoffnung auf Zukunft, wurden nicht nur ausgesprochen, um Teheran einzuschüchtern, sondern auch, um der Welt und den eigenen Wählern eine Botschaft zu senden: Washington könne noch immer alles niederbrennen. Doch diese gewaltige Machtdemonstration verwandelte sich innerhalb weniger Stunden in einen beispiellosen Albtraum für das Weiße Haus.
Statt unter dem Schock der Drohung zu erstarren, antwortete Teheran mit einem präzise gesetzten Gegenzug, der direkt auf die empfindlichste Stelle Washingtons zielte. Während Trump vor der Weltöffentlichkeit von Auslöschung sprach, erklärten die Revolutionsgarden, sie würden im Fall eines neuen Angriffs die Waffen und die Geografie dieses Krieges verändern. Wir schlüsseln jetzt mit allen Belegen auf, wie Trumps Prestige-Auftritt sich gegen ihn selbst wendete, wie die amerikanische Abschreckung an ihre Grenze stieß und warum der Zusammenbruch der eigenen Reihen im Kongress gefährlicher ist als jede iranische Rakete. Zunächst einmal: Diese Rede war keine gewöhnliche außenpolitische Ansprache. Sie war ein Sturm der Härte, der auf eine ganze Nation, auf Millionen Menschen und auf den Willen eines Landes zielte. Schon die Aufzählung dessen, was Washington in sieben Monaten aufgeboten hat, zeigt das Ausmaß von Verzweiflung und Überheblichkeit.
Mehr als zweihundert Flugzeuge in der Eröffnungsnacht des achtundzwanzigsten Februar, schwere Bomber vom Typ B eins und B zweiundfünfzig, Marschflugkörper vom Typ Tomahawk aus dem Persischen Golf, eine vollständige Seeblockade der iranischen Ölausfuhr und eine Rechnung, die der Generalinspekteur des Pentagon inzwischen mit dreiundvierzig Komma sechs Milliarden Dollar beziffert. Dazu die Ankündigung des Finanzministers Scott Bessent, ab Mittwoch sämtliche iranischen Fluggesellschaften weltweit stillzulegen. Der Schwerpunkt dieser Kampagne lag von Anfang an auf der Infrastruktur und der Wirtschaft. Obwohl Washington erklärte, man treffe ausschließlich militärische Ziele, zeigte sich mit jedem Bericht deutlicher, dass Kraftwerke, Häfen, Raffinerien, Fluggesellschaften und zuletzt der Zugang eines ganzen Volkes zum internationalen Luftverkehr getroffen wurden.

Wenn man der amerikanischen Darstellung glaubt, hätte Teheran längst kapitulieren müssen. Doch bevor wir zu der Antwort kommen, die aus Teheran kam, müssen wir verstehen, wie der Iran dieses Szenario überhaupt überstanden hat. Denn um zurückschlagen zu können, muss man diese sieben Monate erst einmal überleben. Der Iran hatte dafür ein Geflecht aus vier voneinander getrennten Schichten aufgebaut. In diesem Geflecht steckt keine Magie, sondern nüchterne Mathematik, Technik und militärische Disziplin.
Alles beginnt damit, dass Daten aus Frühwarnradaren, aus zivilen Beobachtungsnetzen und von Verbündeten in der Region binnen Sekunden in eine zentrale Leitstelle fließen. Mit anderen Worten: ein umfassendes Frühwarnsystem. Wenn ein Bomberverband startet, bleiben Teheran nur Minuten für eine Entscheidung. Dann folgt die gefährlichste Phase, jenes Spiel der tödlichen Sekunden, in dem die Anflugphase beginnt. Die Marschflugkörper und die Präzisionsbomben, die Washington einsetzt, sind am schwersten abzufangen und die rücksichtslosesten Waffen in diesem Krieg.
Weil Abfangraketen jedoch zugleich äußerst knapp und sehr teuer sind, schießt der Iran nicht auf jedes Ziel, das er am Himmel entdeckt. Stattdessen folgt er einer selektiven Feuerstrategie, die ausschließlich die kritischsten Regierungsziele und Kommandozentralen schützt. Zivile Bereiche können Schaden nehmen, doch der Zusammenbruch des Staates und seiner Systeme wird niemals zugelassen. Auf der Ebene der Drohnen funktioniert das ganz anders. Langsam fliegende Ziele werden mit Flugabwehrkanonen, mobilen Feuerteams und Störsendern bekämpft, nicht mit Raketen für Millionen.
Und genau hier liegt der Punkt, an dem die amerikanische Rechnung nicht mehr aufgeht. Der Bericht des Generalinspekteurs des Pentagon vom vierzehnten September hält fest, dass in acht Ländern Hunderte Gebäude auf amerikanischen Stützpunkten beschädigt oder zerstört wurden, dass vier Kampfjets vom Typ F fünfzehn vernichtet, ein Tarnkappenjet vom Typ F fünfunddreißig beschädigt und sieben Tankflugzeuge getroffen wurden. Am bemerkenswertesten ist dabei die Ebene der billigen Waffen. Der Iran schickt Drohnen, deren Stückpreis im niedrigen fünfstelligen Bereich liegt, gegen Abfangraketen, die Millionen kosten. Washington fällt in genau diese Falle. Die Bestände der Golfstaaten an Abfangraketen sind nach demselben Bericht zu fünfundsiebzig bis siebenundachtzig Prozent aufgebraucht, und der Generalinspekteur rechnet mit rund drei Jahren, bis moderne Raketen wieder aufgefüllt sind.

Der Gegenzug kam nicht in Stunden, sondern in Wellen, und er läuft seit Mitte Juli unter dem Namen Nasr zwei. Das amerikanische Verteidigungsministerium musste einräumen, dass amerikanische Einrichtungen in acht Ländern getroffen wurden, von Kuwait bis nach Oman. Doch das war keine bloße Warnung. Es war eine unmittelbare Operation gegen die Lebensadern der amerikanischen Kriegsmaschine. In den Nächten nach den amerikanischen Angriffswellen zielten die iranischen Streitkräfte vor allem auf jene Zentren, über die der Nachschub gesteuert, gelagert und verteilt wird.
Während der Luftwaffenstützpunkt Ali al-Salem in Kuwait von schweren Explosionen erschüttert wurde, trafen weitere Wellen Einrichtungen in Bahrain und in den Emiraten. Ein Zentrum für Satellitenkommunikation in Bahrain wurde am vierzehnten Juli getroffen, jene Verbindung also, über die Zieldaten und Befehle laufen. Unmittelbar danach verschob sich das Ziel tiefer in das Gefüge des Gegners. Die Häfen von Duqm und Salalah im Oman, über die ein erheblicher Teil des amerikanischen Nachschubs läuft, wurden ab dem ersten März von Drohnen getroffen. Der eigentliche Ertrag dieser Taktik zeigte sich jedoch an der Lebensader des Golfs, in der Straße von Hormus.
Jenes einzigartige Element, das die gesamte amerikanische Kriegsmaschine lähmte. In der zweiten Phase dieser Kampagne traf der Iran die Straße von Hormus, jene Straße, durch die vor dem Krieg ein Fünftel des weltweit verschifften Öls lief, und damit das Herz der Energieversorgung des Westens. Die Warnungen der Schifffahrtsbehörden rissen tagelang nicht ab. Selbst als amerikanische Zerstörer den Himmel mit Abwehrfeuer überzogen, trafen innerhalb weniger Stunden nach Angaben der britischen Seefahrtsbehörde gleich zwei Frachtschiffe, darunter ein Flüssiggastanker, und wurden von Geschossen unbekannter Herkunft beschädigt. Die strategischen Folgen dieses Vorgehens reichten weit über ein paar brennende Tanks hinaus. Der Treffer in der Meeresstraße bedeutete, dass die amerikanischen Panzer und Flugzeuge am Golf in eine Treibstoffkrise geraten würden.
Die Unterbrechung der wichtigsten Versorgungsrouten bedeutete, dass die amerikanischen Stützpunkte am Golf zu isolierten Inseln in einem geschlossenen Meer wurden. Das Beinahe-Erliegen des Öl- und Gasverkehrs, der Milliarden Dollar erwirtschaftet, war ein Stich ins Herz der Kriegswirtschaft. Zugleich versetzte dieser Vorgang der amerikanischen Öffentlichkeit einen schweren psychologischen Schlag. Die Amerikaner, die mit der Erzählung von einem kurzen, sauberen Einsatz eingeschläfert worden waren, sahen plötzlich Dieselpreise von sechs Dollar fünf je Gallone an den Zapfsäulen, nach drei Dollar sechsundsiebzig vor dem Krieg, hörten von Landwirten, die ihre Kredite nicht mehr bedienen können, und begriffen, dass dieser Krieg längst nicht mehr nur am Persischen Golf stattfindet, sondern in ihrem eigenen Land, direkt vor ihrer eigenen Haustür. Wie also gelang es dem Iran, während sieben Monaten schwerster Bombardierung, amerikanische Einrichtungen in acht Ländern gleichzeitig zu treffen?

Das ist kein dilettantischer Akt nach dem Motto, greifen wir einfach im Zorn an. Es ist das Ergebnis monatelanger Zielplanung und eines Gespürs für asymmetrische Kriegsführung. Dieses Gespür ruht auf drei Grundpfeilern. Erstens arbeiten die iranischen Kräfte mit vorab markierten Zielbanken, die jederzeit abrufbar sind. Die Lage der empfindlichsten Leitung eines Treibstofflagers und die genaue Position eines Radarpostens sind längst bekannt. Wenn der Knopf gedrückt wird, entscheidet sich nicht mehr das Ziel, sondern nur noch der Weg, den die Drohnen nehmen.
Der zweite Pfeiler sind dezentrale Kommandozellen. Während Washington auf Befehle aus gewaltigen Zentralen wartet, in denen langsam entschieden wird, arbeitet Teheran mit beweglichen Zellen. Die Luft- und Raumfahrtabteilung der Revolutionsgarden, die Marine der Revolutionsgarden und die reguläre Armee verfügen jeweils über eigene, unabhängige Abschussplätze. Selbst wenn einer zerstört wird, setzt der nächste die Operation ohne Unterbrechung fort. Und schließlich kommt der listigste Teil ins Spiel, die Taktik aus Schwarm und Täuschung.
Während die amerikanische Luftabwehr in einer Nacht auf einen einzigen Stützpunkt fixiert ist und dort ihre gesamte Aufmerksamkeit bündelt, startet der Iran in diesem Moment der Blindheit große Schwärme aus billigen Drohnen und Attrappen. Die Radare werden von diesen Schwärmen gesättigt, und Hektik bricht aus. Während die Attrappen vorangehen und Abfangraketen im Millionenwert auf sich ziehen, schlagen die eigentlichen Sprengdrohnen von hinten ein. Als dieser Plan zu greifen begann, musste das amerikanische Verteidigungsministerium in seinem eigenen Bericht einräumen, dass Einrichtungen in acht Ländern getroffen worden waren. Und bei einer solchen Streuung ist das kaum ein Erfolg. In den darauffolgenden Stunden wurde auch der amerikanischen Marine in der Region ein schwerer Schlag versetzt. Nach Angaben des Pentagon-Generalinspekteurs wurden dabei sieben Tankflugzeuge vom Typ KC einhundertfünfunddreißig getroffen, fünf davon am Boden in Saudi-Arabien.
Der Bericht des Generalinspekteurs vom vierzehnten September hält dazu Folgendes fest: In acht Ländern wurden Hunderte Gebäude beschädigt oder zerstört. Vier Kampfjets vom Typ F fünfzehn wurden vernichtet, ein Tarnkappenjet vom Typ F fünfunddreißig beschädigt. Das Ausmaß der Schäden werde weiter geprüft. Die Kosten des Einsatzes beziffert derselbe Bericht auf dreiundvierzig Komma sechs Milliarden Dollar, nach dreiunddreißig Komma vier Milliarden Ende Juni. Der Generalinspekteur stellt zudem fest, dass der Krieg strategische Lücken in die Bestände gerissen hat. Aus der Region wird außerdem berichtet, dass Abfangraketen-Depots in den Golfstaaten zu fünfundsiebzig bis siebenundachtzig Prozent aufgebraucht sind.
Die wahren Kosten dieser sieben Monate, die das amerikanische Verteidigungsministerium herunterzuspielen versucht, reichen weit tiefer als ein paar brennende Treibstofftanks. Der Treffer in der Straße von Hormus war in Wahrheit der letzte Zug in einer Schlinge, die sich um den Hals der amerikanischen Präsenz am Golf legt. Teheran führt diesen Krieg auf dem Wasser seit Monaten Schritt für Schritt, wie ein Schachmeister. Zuerst wurde die freie Durchfahrt beendet und eine eigene Behörde eingerichtet, die seit dem fünften Mai jede Passage genehmigt. Dann geriet die amerikanische Geleitoperation unter Druck, und der Verkehr durch die wichtigste Meeresstraße der Welt brach ein.
Ohne sichere Durchfahrt und nach schweren Verlusten sind die amerikanischen Verbände am Golf auf wenige Häfen angewiesen, die selbst unter Beschuss stehen. Die Munition, die Verpflegung und vor allem der Treibstoff, die für die Zehntausenden amerikanischen Soldaten in der Region und für die Kampfverbände nötig sind, kommen über genau diese Routen. Dass der Iran die Terminals und die Durchfahrt in eine tägliche Unsicherheit verwandelt hat, bedeutet nicht nur den Ausfall eines Hafens, sondern die Sprengung der logistischen Hauptbrücke. Mit diesem Vorgehen begann faktisch die Umkehrung der Seeblockade. Versorgungsschiffe können nicht mehr sicher anlegen, Kriegsschiffe sich nicht mehr gefahrlos versorgen. Die Stützpunkte am Golf haben aufgehört, eine Festung zu sein, und sind zu einer riesigen, verwundbaren Insel mit durchtrennten Versorgungslinien geworden.
Wenn den Panzern an der Front der Treibstoff ausgeht, spielt es keine Rolle mehr, wie viele Raketen man besitzt. Der Iran hat der amerikanischen Präsenz am Golf mit wenigen Drohnen die Lebensader genommen. Die zweite und tödlichste Phase dieser Kampagne war der Schlag gegen das Herz der amerikanischen Kriegswirtschaft. Dass die Nervenbahnen der Kommunikation in Bahrain und die Treibstofflager in Kuwait getroffen wurden, war kein Zufall. Es war das Ergebnis einer Planung, die auf den Gegner zugeschnitten war.
Eine moderne Kriegsmaschine funktioniert nicht ohne Diesel und Kerosin. Wer die Nachschubwege trifft, über die täglich Tausende Tonnen Treibstoff an die Stützpunkte am Golf gehen, verlangsamt unmittelbar das Einsatztempo der amerikanischen Streitkräfte. Doch es gibt eine weit verheerendere wirtschaftliche Dimension. Die iranischen Drohnen zielen nicht auf gewöhnliche Lagertanks, sondern auf empfindliche Knotenpunkte, auf Pumpstationen, Radaranlagen und Zentren für Satellitenkommunikation. Auf Einrichtungen also, deren Instandsetzung Monate dauert und für die Ersatzteile in der Region nicht einfach bereitliegen.
Wenn ein solcher Knotenpunkt ausfällt, ist ein ganzer Abschnitt für Monate gelähmt. Und obwohl die Vereinigten Staaten das ölreichste Verbündetennetz der Welt hinter sich haben, erleben sie im eigenen Land einen Rekordpreis beim Diesel, der nach Angaben des Automobilclubs bei sechs Dollar fünf je Gallone liegt und weiter steigt. Ein Treffer auf die Durchfahrt in Hormus bedeutet zugleich, jene Milliardenströme zu unterbrechen, mit denen die Weltwirtschaft ihre Energie bezahlt. Während Washington Milliarden ausgibt, um Stützpunkte zu verstärken und Flugzeugträger zu verlegen, nimmt der Iran mit Drohnen für wenige zehntausend Dollar die Fähigkeit, diesen Krieg zu finanzieren, Stück für Stück auseinander. An dieser Stelle müssen wir auf die nüchterne Mathematik schauen, die den Verlauf dieses Krieges bestimmt. Warum erzielt der Iran mit begrenzten Mitteln solche Wirkungen, während die größte Streitmacht der Welt nicht einmal ihre eigenen Stützpunkte schützen kann? Washington gab in sieben Monaten dreiundvierzig Komma sechs Milliarden Dollar aus.
Jede einzelne dieser Abfangraketen entsteht in großen Fabriken in monatelangen Prozessen. Washington verschießt diese hochwertigen Waffen. Die meisten von ihnen werden gegen Ziele eingesetzt, die ein Bruchteil davon kosten. Was bleibt am Ende übrig? Leere Depots und eine Rechnung, die der Generalinspekteur auf drei Jahre Wiederauffüllung schätzt.
Strategischer Ertrag, gleich null. Der Iran dagegen führt einen vollständig asymmetrischen Krieg. Jede Drohne, die einen Stützpunkt oder ein Radar trifft, kostet nur wenige zehntausend Dollar. Mit einem Schwarm solcher Drohnen wird eine Batterie für Hunderte Millionen gebunden. Washington kann nicht verhindern, dass Einrichtungen in acht Ländern zugleich getroffen werden, weil die Abwehr schwerfällig ist und auf wenige Punkte konzentriert bleibt. Es ist physisch unmöglich, jede Landebahn, jedes Depot und jeden Hafen zwischen Kuwait und Oman mit Systemen zu schützen, die Millionen kosten.
Der Iran erkennt die blinden Flecken und die Schwachstellen in diesem weiten Raum und höhlt die Präsenz einer Supermacht mit sehr billigen, auf dem Radar schwer erfassbaren Drohnen von innen aus. Wenn wir uns den politischen Preis ansehen, den das Weiße Haus dafür zahlt, wird das Ausmaß der Niederlage noch deutlicher. Donald Trump hatte seinen Auftritt am zweiundzwanzigsten September als Machtdemonstration geplant, unmittelbar nachdem seine eigenen Unterhändler drei Stunden lang mit iranischen Vermittlern verhandelt hatten. Das Ziel war, dem Westen und den eigenen Wählern zu sagen: Ich bestimme noch immer, ich kann ein Land auslöschen, und ich setze die Bedingungen.
Doch das Ergebnis war das genaue Gegenteil dessen, was Trump wollte. Während er eine Machtdemonstration inszenieren wollte, verkündete er der gesamten Welt, dass seine eigene Partei ihm davonläuft. Im Repräsentantenhaus stimmten zweihundertzwanzig zu zweihundertvier für eine Begrenzung seiner Kriegsvollmachten, und sieben Republikaner wechselten dabei die Seite. Während amerikanische Zuschauer die Rede wie eine Siegesmeldung verfolgen sollten, sahen sie zugleich Umfragen, in denen rund sechs von zehn Wählern die Kriegsentscheidung für falsch halten, und Landwirte in Iowa, die an den Kosten dieses Krieges zerbrechen. Während Trump den Iran unterwerfen und seine Hand am Verhandlungstisch stärken wollte, legte er die Schwäche der eigenen Koalition, die Zerbrechlichkeit seiner Kriegswirtschaft und seine Hilflosigkeit am Golf offen.
Diese Rede vom zweiundzwanzigsten September war nicht bloß eine außenpolitische Ansprache. Sie war die Erklärung, dass dieser Krieg nicht mehr auf dem Schlachtfeld entschieden wird, sondern durch die Widerstandsfähigkeit von Systemen und durch asymmetrische Mittel. Trump glaubte, die diplomatische Sackgasse durch eine Drohung gegen ein ganzes Volk durchbrechen und den Willen Teherans mit teuren Waffen zerschlagen zu können. Doch die iranische Antwort kam nüchtern: Man werde die Waffen und die Geografie dieses Krieges verändern, falls ein neuer Angriff erfolge. Es gebe Ziele, die bisher nicht angegriffen worden seien. Und der Iran verwandelte die Häfen, die Nachschubrouten und die Treibstofflager am Golf in eine tägliche Unsicherheit, schnitt die Stützpunkte von ihrer Versorgung ab und brachte den Motor der amerikanischen Kriegsmaschine ins Stottern.
Das ist Trumps größtes Dilemma. Keine seiner teuren Wellen kann Teheran in die Knie zwingen, doch jeder billige iranische Schwarm würgt die gewaltige Militärmaschine ein Stück weiter in ihrem eigenen Treibstoff und in ihrer eigenen Rechnung. Während Washington falsches Prestige durch demonstrative Zerstörung sucht, schneidet Teheran das System des Gegners heraus wie ein kühler Chirurg. Und während in New York über Vernichtung gesprochen wird, verhandeln dieselben Leute hinter verschlossenen Türen und verschieben das Ende dieses Krieges auf den Tag nach der Wahl im November.
Für uns in Deutschland ist dieser Vorgang näher, als viele glauben. Jeder Dollar, den der Diesel in den Vereinigten Staaten zulegt, erreicht über Frachtraten, Versicherungsprämien und Düngemittelpreise am Ende auch die Rechnungen europäischer Haushalte. Die Kriegsrisikoprämien am Golf sind bereits gestiegen, und jede Woche ohne sichere Durchfahrt bedeutet höhere Kosten für Transport, Heizung und Lebensmittel. Wenn Washington die Entscheidung über Krieg und Frieden an einen Wahltermin im November bindet, dann bezahlt Europa jede einzelne dieser Wochen mit, und zwar an der Zapfsäule, an der Ladenkasse und auf der nächsten Heizkostenabrechnung.
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