Die Huthi haben einen fatalen Zug gemacht – jetzt schickt Frankreich Truppen nach Saudi-Arabien

Frankreich antwortet jetzt direkt vor Ort auf die immer schwereren Angriffe der Huthi auf Saudi-Arabien. Am vierundzwanzigsten September feuerten die Huthi nach eigenen Angaben in zwei Wellen ballistische Raketen, Marschflugkörper und Drohnen auf das Königreich ab, auf die Hauptstadt Riad, auf die Provinz Dschasan und auf den wichtigsten Ölhafen des Landes am Roten Meer, Yanbu. Die saudische Armee meldete, sechs ballistische Raketen, die auf Yanbu und die Stadt Taif zielten, seien abgefangen worden. Am selben Tag trat Emmanuel Macron vor die Kameras zweier großer französischer Fernsehsender und kündigte einen Schritt an, der Paris mitten in diesen Konflikt hineinstellt, ob Macron das will oder nicht. Frankreich schickt Soldaten, Radaranlagen und Abwehrsysteme nach Yanbu, um den Hafen gegen Raketen und Drohnen aus dem Jemen zu schützen.
Zugleich verabredeten die Außenminister Pakistans und der Türkei ein dringendes Treffen ihrer Generalstabschefs im Rahmen eines gemeinsamen Verteidigungsabkommens. Damit sendet eine ganze Reihe von Staaten eine Botschaft nach Sanaa, die kaum zu überhören ist. Macron formulierte es so: Frankreich schicke militärische Mittel, um diesen Ort zu schützen. Nicht, um sich in irgendeinen Konflikt hineinziehen zu lassen, sondern allein, um diesen Standort zu schützen. Doch wer Soldaten in einen Hafen schickt, auf den gerade Raketen fliegen, ist bereits Teil dieses Konflikts, ganz gleich, wie er es nennt, und genau das macht diesen Schritt so brisant.
Was genau ist also am vierundzwanzigsten September über Saudi-Arabien passiert? Wenn man die Einzelheiten dieses Tages betrachtet, wird das Ausmaß der Eskalation deutlich klarer. Der Militärsprecher der Huthi, Yahya Saree, sprach von zwei getrennten Operationen innerhalb weniger Stunden. In der ersten habe man Dutzende ballistische Raketen und Drohnen auf saudische Militärstellungen in der Provinz Dschasan abgefeuert, direkt an der Grenze zum Jemen. Als Ziele nannte er Kommandozentralen, Waffenlager und Raketenstellungen, darunter Anlagen in Al-Tuwal und Al-Daghareer.

In der zweiten Operation richteten sich die Angriffe nach seinen Worten gegen ein, so wörtlich, sensibles Ziel in Riad und gegen die Anlagen des Ölkonzerns Aramco in Yanbu. Welches Ziel in der Hauptstadt gemeint war, sagte Saree nicht. Die saudische Seite hat einen Angriff auf die Hauptstadt nicht bestätigt, und für Riad gab es an diesem Tag nicht einmal eine Warnung des Zivilschutzes. Die Angriffe seien präzise und direkt gewesen, erklärte er, und hätten mehrere Waffenlager in Brand gesetzt. Unabhängig bestätigt ist davon bislang nichts. Die saudische Seite zeichnet ein ganz anderes Bild.
Generalmajor Turki al-Maliki, der Sprecher der von Saudi-Arabien geführten Koalition, erklärte, die Luftabwehr habe sechs ballistische Raketen abgefangen, die auf Yanbu und Taif gerichtet gewesen seien. Zuvor hatte der saudische Zivilschutz Warnungen herausgegeben, später meldete er, die Gefahr sei vorüber. Schäden haben die saudischen Behörden bis heute nicht bestätigt. Doch schon die Tatsache, dass Raketen Kurs auf Yanbu nahmen, reichte aus, um die Märkte weltweit aufzuschrecken. Denn Yanbu ist nicht irgendein Hafen, dort liegen große Öllager und Raffinerien. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg am Donnerstag um mehr als drei Prozent und lag zeitweise über hundertacht Dollar.
Zwei Tage zuvor hatte er noch unter hundert Dollar gelegen. Erst am Dienstag davor war der Preis auf den tiefsten Stand seit Anfang September gefallen, weil aus Yanbu endlich wieder Öl verschifft werden sollte. Und bevor sich die Lage beruhigen konnte, folgte die nächste Welle. Am fünfundzwanzigsten September meldete die Koalition erneut sechs abgefangene ballistische Raketen, wieder gerichtet auf Taif und Yanbu. Die Huthi sprachen ihrerseits von einem komplexen Angriff mit Raketen und Drohnen auf Kommandozentralen und Waffenlager im Süden des Königreichs. Der Zivilschutz gab diesmal Warnungen für Mekka, Dschidda, Tabuk, Taif und Yanbu heraus, die nach wenigen Minuten wieder aufgehoben wurden.
Al-Maliki erklärte, die Eskalationen und Verstöße dessen, was Riad die terroristische Huthi-Miliz nennt, würden entschlossen beantwortet. Zwei Tage hintereinander stand damit die wichtigste Ölader Saudi-Arabiens unter Beschuss. Doch der Luftraum über dem Königreich war nicht der einzige Schauplatz. Weiter südlich wird dieser Krieg auch am Boden geführt, und zwar mit großer Härte. Die Huthi behaupten sogar, am sechzehnten September über Marib einen saudischen Kampfjet vom Typ F-fünfzehn abgeschossen zu haben, eine Angabe, die unabhängig nicht bestätigt ist. Im Jemen kämpfen die Huthi gegen die von Saudi-Arabien unterstützten Regierungstruppen, vor allem auf den Anhöhen oberhalb der Wasserstraße Bab al-Mandab.

Innerhalb von nur vierundzwanzig Stunden wurden dort nach Angaben von Euronews mindestens hundertfünfzig Kämpfer getötet, mehr als achtundneunzig auf Seiten der Regierung und über zweiundfünfzig auf Seiten der Huthi. Nur zwei Tage zuvor waren nach Angaben aus dem Jemen bei saudischen Luftangriffen auf Mokka sechs Zivilisten ums Leben gekommen. Schon am zehnten September hatten die Huthi die Hafenstadt Mokka am Roten Meer sowie zwei Bezirke in der Provinz Hudaida eingenommen. Am zehnten und elften September fielen außerdem die Insel Perim, die mitten in der Wasserstraße liegt, und die Hanisch-Inseln an die Huthi. Wer diese Küste kontrolliert, kontrolliert auch den Zugang zu einer der wichtigsten Seestraßen der Welt. Die Wasserstraße Bab al-Mandab ist an ihrer engsten Stelle nur neunundzwanzig Kilometer breit. Es war deutlich, dass es hier nicht mehr nur um einen Bürgerkrieg im Jemen geht, sondern um die Schlagader des saudischen Ölexports. Das Königreich steht also gleichzeitig am Himmel über Yanbu und an der Küste des Jemen unter Druck. Am fünfundzwanzigsten September rief Jemens Präsident Raschad al-Alimi zur militärischen Mobilmachung auf und bot Huthi-Kämpfern, die ihre Waffen niederlegen, eine Amnestie an.
Warum ist das alles so plötzlich eskaliert? Hinter dieser Welle von Angriffen steht natürlich eine lange Vorgeschichte. Fast vier Jahre lang hatte im Jemen eine von den Vereinten Nationen vermittelte Waffenruhe gehalten, seit dem Jahr zweitausendzweiundzwanzig. Im Juli zweitausendsechsundzwanzig ist sie zerbrochen. Seitdem stehen sich die Huthi, die seit zweitausendvierzehn die Hauptstadt Sanaa kontrollieren, und die seit zweitausendfünfzehn von Riad geführte Militärkoalition wieder offen gegenüber. Am dreizehnten Juli bombardierte Saudi-Arabien die Landebahn des Flughafens von Sanaa, um die Landung einer iranischen Maschine zu verhindern, die eine Huthi-Delegation zurück in den Jemen bringen sollte.
Noch am selben Tag feuerten die Huthi Raketen und Drohnen auf den Flughafen der saudischen Stadt Abha. Eine Woche später, am zwanzigsten Juli, verkündete Yahya Saree im Fernsehen eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien. Er begründete sie mit dem Grundsatz Auge um Auge und mit dem Recht, so die Huthi, auf eine Blockade mit einer Blockade zu antworten. Gemeint waren die saudischen Beschränkungen gegen die Häfen der Huthi und gegen den Flughafen von Sanaa. Die Huthi werfen der saudischen Führung vor, das Land seit fast zwölf Jahren einer, so wörtlich, ungerechten und unterdrückerischen Belagerung zu unterwerfen. Seitdem gelten Schiffe, die saudische Häfen anlaufen oder saudisches Öl transportieren, für die Huthi als Ziele. Der UN-Sicherheitsrat kam zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, und das saudische Außenministerium wies den Vorwurf einer Belagerung zurück.
Anfang September eskalierte die Lage dann endgültig. Am dritten September begannen die Huthi eine Großoffensive an der Küste, mit dem Ziel, die Kontrolle über Bab al-Mandab zu gewinnen. Am siebten und achten September griffen saudische Kampfflugzeuge und Marschflugkörper Provinzen unter Kontrolle der Huthi an, darunter al-Dschauf, al-Baida, Marib und Taiz. Die Huthi antworteten mit Angriffen auf die Energieanlagen im Süden des Königreichs. Getroffen wurden nach saudischen Angaben Ziele in Abha, Dschasan, Nadschran und Chamis Muschait. In der Raffinerie von Dschasan, die vierhunderttausend Barrel am Tag verarbeiten kann, brachen Brände aus, und die saudischen Behörden meldeten dreiundsiebzig Verletzte. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden zwischen dem dreiundzwanzigsten August und dem achten September mindestens siebenhundertachtundzwanzig Menschen getötet oder verletzt.

Allein aus Taiz flohen innerhalb weniger Tage rund einundzwanzigtausend Menschen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind inzwischen rund hundertdreißigtausend Jemeniten im eigenen Land auf der Flucht, und mehr als dreitausend haben sich mit Booten nach Afrika abgesetzt. Wir stehen also vor einem Krieg, der längst nicht mehr lokal ist. Ahmed Nagi von der International Crisis Group sagt, die Offensive am Boden und die Kampagne auf See hingen eng zusammen. Die Huthi wollten mehr strategische Tiefe gewinnen, um den Druck auf die Schifffahrt aufrechterhalten zu können. Es ist also ein Druck auf drei Ebenen: die Blockade auf dem Meer, die Offensive an der Küste und Schläge tief im Inneren des Königreichs, bis nach Riad und Yanbu.
Einer der wichtigsten Auslöser für diese Eskalation liegt aber nicht im Jemen, sondern im Persischen Golf. Denn der Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Iran hat die Straße von Hormus stark eingeschränkt. Seit dem Beginn dieses Krieges Ende Februar ist die wichtigste Ölroute der Golfstaaten kaum noch passierbar. Um seine Ölexporte zu retten, hat Saudi-Arabien deshalb einen immer größeren Teil davon auf die andere Seite des Landes verlegt, an das Rote Meer. Berichten zufolge laufen inzwischen rund siebzig Prozent der saudischen Ölexporte über Häfen wie Yanbu. Zwischen März und Mitte Juli lagen die saudischen Ölexporte durch die Wasserstraße Bab al-Mandab achtmal so hoch wie im selben Zeitraum des Vorjahres.
Doch die eigentliche Schlüsselrolle spielt eine Anlage, die kaum jemand kennt. Die Ost-West-Pipeline, auch Petroline genannt, verbindet die Ölfelder am Persischen Golf quer durch die Wüste mit Yanbu. Sie kann bis zu sieben Millionen Barrel am Tag transportieren. Die Leitung ist rund zwölfhundert Kilometer lang, und seit Beginn des Krieges gegen den Iran leitet Riad nach Angaben von Reuters rund vier Millionen Barrel täglich hindurch, etwa vier Prozent des weltweiten Angebots. Damit ist sie Saudi-Arabiens wichtigste Versicherung gegen eine Sperrung von Hormus. Genau deshalb ist der Zeitpunkt dieser Angriffe alles andere als ein Zufall. Denn diese Leitung war nur wenige Tage zuvor schon einmal getroffen worden.
Wer Yanbu trifft, trifft nicht nur einen Hafen, sondern den Notausgang, den Riad sich für diesen Krieg gebaut hat. Am zehnten und elften September trafen mehrere Drohnen Pumpstationen der Pipeline in den Regionen Riad und Medina, und nach Angaben des saudischen Außenministeriums kamen sie aus dem Irak. Riad musste die Leitung abschalten, und die Internationale Energieagentur meldete, das saudische Rohölangebot sei auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten gefallen. Erst am zweiundzwanzigsten September lief die Pipeline wieder an, mit stark gedrosselter Leistung, und in Yanbu wurde die erste Ladung für China vorbereitet. Zwei Tage später flogen die Raketen der Huthi genau auf diesen Hafen. Teheran weist jede Verantwortung zurück. Präsident Massud Peseschkian erklärte, die Huthi seien für ihr eigenes Handeln verantwortlich.
Und der Analyst Hisham al-Omeisy vom Europäischen Institut für Frieden sagt, dieser Konflikt reiche weit über den Jemen hinaus. Mit diesen Angriffen zeigen die Huthi dem Königreich, dass sein Ausweg aus der Hormus-Krise selbst verwundbar ist. Wie wird sich die Lage in der Region nach diesen Angriffen aus der Luft und der Antwort aus Paris entwickeln? Yanbu erlebt gerade das genaue Gegenteil dessen, wofür es ausgebaut wurde. Für Riad sollte dieser Hafen der sichere Ausweg sein, fernab der Gefahrenzone am Golf.
Doch die Angriffe der letzten Tage haben der ganzen Welt gezeigt, dass Yanbu zugleich die verwundbarste Stelle des Königreichs ist. Auf der Karte wirkt die Route über das Rote Meer wie eine elegante Lösung, doch in Wahrheit hängt sie an einer einzigen Wasserstraße im Süden. Denn jedes Schiff, das von Yanbu nach Asien fährt, muss durch Bab al-Mandab, direkt an der Küste, um die die Huthi gerade kämpfen. Durch diese Wasserstraße fließen täglich rund vier Komma eins Millionen Barrel Rohöl, etwa fünf Prozent des weltweiten Angebots. Wird sie vollständig geschlossen, droht ein Ausfall, den der Weltmarkt nicht einfach auffangen kann. Werden Hormus und Bab al-Mandab gleichzeitig blockiert, wäre nach Berechnungen, die Al Jazeera zitiert, bis zu ein Viertel der weltweiten Öl- und Gasversorgung betroffen.
Und wie verletzlich diese Route ist, hat sich in den letzten Wochen bereits gezeigt. Die Angriffe der Huthi haben Saudi-Arabien gezwungen, seine Exporte wieder zurück über die Straße von Hormus zu leiten. Also genau über jene Route, die der Krieg gegen den Iran so gefährlich gemacht hat. Die jüngsten Entwicklungen zeigen deshalb ein klares Muster. Saudi-Arabien sitzt zwischen zwei Wasserstraßen in der Klemme, im Osten Hormus, im Westen Bab al-Mandab.
Und an beiden stehen Kräfte, die Washington als seine Gegner betrachtet. Das Königreich wirkt heute wie eine Festung mit zwei Toren, von denen keines mehr wirklich sicher ist. In den kommenden Wochen werden wir vermutlich keinen offenen Großkrieg sehen, sondern eine Eskalation, deren Intensität ständig zunimmt. Doch es gibt keine Garantie, dass es dabei bleibt. Der saudische Analyst Khaled Batarfi rechnet zwar mit Vergeltung nach dem Prinzip Auge um Auge, aber nicht mit einem langen Krieg. Allerdings sagte er das noch vor den Angriffen auf die Pipeline und auf Yanbu.
Die Ereignisse dieser Woche sprechen allerdings eine andere Sprache. Innerhalb von zwei Tagen flogen zwei Wellen von Raketen auf dieselben Ziele. Solche Angriffe sind ein Stresstest, mit dem die Huthi prüfen, wie schnell und wie entschlossen Riad und seine Partner reagieren. Frankreich wird diesen Test nun mit eigenen Soldaten beantworten. Dabei ist Paris in der Region längst präsent: Frankreich unterhält einen Stützpunkt in Abu Dhabi und in Dschibuti, direkt gegenüber der Küste des Jemen, seine größte Militärbasis in Afrika. Doch die entscheidenden Fragen hat Macron offengelassen.
Wie viele Soldaten er schickt, welche Systeme genau und wann sie ankommen, sagte er nicht. Auch ob die Soldaten aus Abu Dhabi, aus Dschibuti oder direkt aus Frankreich kommen, blieb offen. Genau diese Lücke wirft die Frage auf, wie weit Paris wirklich zu gehen bereit ist. Macron sprach von einer fertigen Vereinbarung mit Saudi-Arabien, doch was sie im Ernstfall bedeutet, bleibt offen. Das Bild, das sich ergibt, ist eindeutig: Dieser Krieg wird nicht mehr nur mit Panzern und Artillerie im Jemen geführt, sondern mit Raketen auf die Energieadern der Welt. Wer Yanbu schützen will, muss Raketen und Drohnen abwehren, die aus Hunderten Kilometern Entfernung anfliegen. Die Huthi setzen dabei nach eigenen Angaben ballistische Raketen, Marschflugkörper und Drohnen gleichzeitig ein, eine Mischung, die jede Luftabwehr vor große Probleme stellt.
Und die Seite, die diesen Wettlauf zwischen Angriff und Abwehr gewinnt, bestimmt am Ende, wie viel Öl das Rote Meer noch verlässt. Doch diese Eskalation hat nicht nur eine militärische, sondern auch eine wirtschaftliche Seite, und die trifft auch Europa. Schon nach der Blockadeerklärung im Juli erhöhten die Versicherer ihre Prämien für Fahrten durch das Rote Meer. Jeder Tanker, der Yanbu verlässt, fährt heute mit einem Risiko, das sich direkt im Preis niederschlägt. Ein Analyst sagte Al Jazeera, der Ölpreis werde wohl über hundert Dollar bleiben, solange der Krieg gegen den Iran andauert.
Das bedeutet: Die Rechnung für diese Angriffe landet am Ende an den Zapfsäulen in Deutschland und in ganz Europa. Und jeder weitere Treffer auf Yanbu würde diese Rechnung noch einmal deutlich erhöhen. Schon die Abschaltung der Pipeline Mitte September hatte den Ölpreis erstmals seit Monaten über hundert Dollar getrieben, mit einem Wochenplus von mehr als acht Prozent. Yanbu entwickelt sich damit vom sicheren Ausweg zu einem Brennpunkt, der immer schwerer zu verteidigen ist. Ein weiterer entscheidender Punkt darf dabei nicht vergessen werden: Die Botschaft dieser Woche richtet sich nicht nur an Riad, sondern auch an Washington. Denn die Vereinigten Staaten haben bislang keine neue militärische Beteiligung zum Schutz Saudi-Arabiens angekündigt. Und das, obwohl Saudi-Arabien seit Jahrzehnten zu den größten Käufern amerikanischer Waffen gehört.
Der saudische Außenminister sagte lediglich, man arbeite weiter mit den Partnern in den Vereinigten Staaten zusammen. Für einen Verbündeten, der jahrzehntelang auf amerikanischen Schutz gesetzt hat, ist das eine bemerkenswert vorsichtige Formulierung. Und genau in diese Lücke stößt jetzt Paris. Frankreich zeigt, dass Europa bereit ist, dort einzuspringen, wo Washington zögert, und zwar ausgerechnet am Roten Meer. Jahrzehntelang galt der Schutz der saudischen Ölanlagen als Aufgabe Washingtons. Gleichzeitig suchen Pakistan und die Türkei nach ihrer eigenen Rolle, doch was sie tatsächlich tun werden, ist nach Einschätzung von Al Jazeera völlig offen.
Für Riad ist das ein Zeichen, dass seine Sicherheit längst nicht mehr allein in Washington entschieden wird. Und für Washington ist es ein Zeichen, dass andere die Rolle übernehmen, die es selbst nicht mehr spielen will. Diese Verschiebung könnte sich als einer der wichtigsten Wendepunkte dieses Krieges erweisen. Denn Riad hat den Huthi eine klare Botschaft geschickt, die al-Maliki in einem Satz zusammenfasste. Jede weitere Eskalation werde entschlossen beantwortet.
Und diese Antwort, so die Botschaft, kommt jetzt nicht mehr allein. Das Bild in Yanbu wird also immer klarer. Die Entsendung französischer Soldaten ist das Zeichen, dass dieser Konflikt die Grenzen des Jemen endgültig verlassen hat. In den kommenden Wochen könnte es zu gefährlichen Situationen zwischen Raketen der Huthi und europäischen Abwehrsystemen kommen. Was diese Woche geschah, ist deshalb kein gewöhnlicher Schlagabtausch, sondern einer der Bruchpunkte in einem Krieg, der längst die ganze Region erfasst hat.
Mit ihren Angriffen auf Yanbu haben die Huthi gezeigt, wie verwundbar der Notausgang des Königreichs ist. Doch dieser Zug könnte sich für die Huthi als fatal erweisen, denn mit der Antwort aus Paris ist ein neuer Akteur auf das Spielfeld getreten, und das verändert die Kräfteverhältnisse. Das Rote Meer ist damit zu einer der gefährlichsten Bruchlinien der Welt geworden, an der keine Seite mehr zurückweichen will. Die Welt wartet jetzt auf die Antworten auf zwei entscheidende Fragen. Werden die Huthi ihre Angriffe auf Yanbu fortsetzen, obwohl dort bald französische Soldaten stehen, oder werden sie ihre Ziele verlagern?
Und wird Frankreich tatsächlich nur schützen, oder wird Paris am Ende doch in genau den Krieg hineingezogen, den Macron ausdrücklich vermeiden wollte? Was denken Sie über diese Entwicklungen? Sollte Europa sich aus diesem Krieg heraushalten, oder ist der Schritt aus Paris richtig? Wenn Sie keine Analyse verpassen wollen, abonnieren Sie Frum Report und aktivieren Sie die Glocke. Das war Frum Report.
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